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Photographer Portfolio: Erik Groß

Erik W Krohn

Erik Groß

Was hast du heute gemacht Erik?

Ich bin jetzt Fotografie-Dozent an einer privaten Design-Schule hier in Rostock und hatte heute Vorlesung.

Wie bist du dazu gekommen?

Ich hab deren Webseite neu bebildert. Der Leiter der Schule hat sich im Zuge dessen meine Webseite angeschaut und mich dann gefragt, ob ich nicht Bock hätte, dort zu unterrichten.

Was lehrst du? Die Grundlagen der Fotografie?

Klar, die Basics – ohne die Grundlagen ist es einfach schwierig, den Rest zu begreifen. Deshalb versuche ich, den Inhalt so spielerisch und praktisch wie möglich zu vermitteln. Ich muss alle paar Monate mal ein Konzept abgeben. Aber grundsätzlich kann ich das  selbst bestimmen.

"Für mich ist nach wie vor das Handwerk was Besonders und das Foto hat für mich gleich mehr Wert, wenn ich es selber entwickelt und selber gescannt habe."

Wieso bist du eigentlich von Dresden zurück nach Rostock gegangen?

Zum einen weil meine Freundin schon immer geplant hatte, zurückzukommen, weil wir beide von hier sind und unsere Familien auch hier leben. Außerdem ist sie Zahnärztin und wollte bei ihrem Vater in der Praxis einsteigen wollte. Und ich werde jetzt auch bald Vater und dann ist es einfach schöner, wenn man die ganze Familie zusammen hat. Und dadurch, dass ich nur alle zwei Wochen als Dozent arbeite, bin ich immer noch regelmäßig in Dresden. Ich leb gewissermaßen ein Hybrid-Leben zwischen den beiden Städten.

In dieses Fotografie-Business bist du also schon in Dresden „reingerutscht“?

Ja, das war in Dresden. Nachdem ich dort meinen Master beendet hatte, hab ich festgestellt, dass ich meine Zukunft nicht in diesem Beruf sehe – und dann hab ich eben nach und nach diese Fotografie-Geschichte ausgebaut. Finanziell hab ich mich erst mal mit Nebenjobs über Wasser gehalten, ich hab zum Beispiel zwei Jahre bei H&M gearbeitet. In der Zeit hab ich die Fotografie weiter verfolgt und durch die Hilfe von Sebastian Lindner immer mehr Kunden an Land gezogen. Die Dresdner Kunden buchen mich heute noch. In Rostock muss ich mir erst mal einen Namen machen, das dauert einfach. Deshalb hab ich am Anfang sehr aktiv Akquise betrieben und mein Portfolio rumgeschickt.

Mit welcher Kamera arbeitest du?

Meine Arbeitskamera ist eine Sony Alpha 7R2. Ich hab erst vor zwei Monaten mein ganzes Nikon-Equipment verkauft und bin auf Sony umgestiegen.

War die Nikon analog oder war das auch eine digitale?

Also ich hab natürlich zig analoge Kameras, weil ich das halt privat sehr gerne mache. Zum Arbeiten hatte ich eine digitale Nikon – aber die hab ich verkauft.

Du machst viel Reportage-Fotografie hast aber auch viele Porträts auf der Website. Welche Art der Fotografie magst du am liebsten?

Wenn ich mich für etwas entscheiden müsste, wären es Porträts. Zu denen kam ich auch tatsächlich durch’s Skaten. Ich hab ja hier und da auch Skate-Fotos gemacht. Aber nichts desto trotz haben mich immer die Leute interessiert, die dahinterstecken. Inzwischen such ich mir oft Personen raus, die irgendwas bestimmtes machen. Seien es jetzt Tänzer oder beispielsweise der Kickboxer, den ich aktuell begleite. Also einfach Charaktere, die was machen, womit ich mich noch nicht auskenne.

Skateboarding schießt du nicht mehr so viel, oder?

Es ist weniger, da gebe ich dir Recht. Ich bin natürlich auch wählerischer geworden bezüglich der Sachen, die ich veröffentliche. Hier und da gibt’s aber schon noch Skate-Fotos, wenn ich mal auf Tour bin. So wie jetzt auch mit Downright. Die haben ja jetzt dieses Video gemacht, d ist schon viel entstanden, z.B. das Brettkollegen-Cover, dieses Foto in der Wasserrutsche.

Das hab ich auch bei Monster Children auf der Seite gesehen. Was geht da?

Die machen jedes Jahr einen Foto-Wettbewerb. Da hab ich mal vor Jahren mit einem analogen Skate-Foto gewonnen, in der Studenten-Kategorie. Dafür hab ich dann von denen ein Lifetime-Abo bekommen. Und das Bild wurde gedruckt und hing dann auch in Australien in irgendeiner Galerie. Da hab ich in den vergangenen Jahren immer wieder mitgemacht – dann auch in den anderen Kategorien, in denen man Geld gewinnen kann. Inzwischen ist das Magazin auch deutlich bekannter und wird immer größer. Da reichen heute sogar Fotografen wie Ryan Allan und Jonathan Mehring Bilder ein. Und dieses Jahr wurde ich in der „echten“ Fotografie aus tausenden Bildern unter die Top 10 gewählt.

Du hast gesagt, du begleitest gerade einen Kickboxer. Ist das ein Auftrag, den du bekommen hast oder machst du das aus Eigen-Interesse?

Ne, das hab ich tatsächlich aus Interesse gemacht. Die meisten Sachen, die man auf meiner Webseite oder meinem Instagram-Kanal sieht, sind meistens keine Jobs. Ab und an poste ich auf meiner Webseite auch mal berufliche Projekte – aber das sind echt nur die, die richtig geil finde. Ansonsten trenne ich das Private und das Geschäftliche.

Wie kommst du an die Aufträge?

Für die Dozenten-Stelle wurde ich z.B. angefragt, weil mein privates Portfolio so abwechslungsreich und interessant ist. Aber jetzt richtige kommerzielle Sachen bekomm ich viel über Langzeit-Kunden, für dich schon einiges gemacht hab. Oder oft läuft das tatsächlich über Mundpropaganda. Oft ist es aber auch so, dass ich über private Projekte an Jobs komme. Beispielsweise bin ich in Dresden ein bisschen in die Tanz-Szene eingetaucht. Das war super schwer als „Nicht-Tänzer“, 5000 Mails später konnte ich dann aber in einer Tanzschule fotografieren – auch bei einem Wettkampf. Der Tanzschule hat meine Arbeit voll gefallen, dann haben die mich wieder eingeladen und mich irgendwann für Jobs gebucht.  Und natürlich habe ich mein Portfolio an Agenturen geschickt – das hat auch sehr geholfen.

"Wenn ich eins gelernt hab, dann dass wenn du Zuhause auf Aufträge wartest, nichts passiert"

Es scheint schon so zu sein, dass man als Fotograf oft in Vorleistung geht und Sachen aus Interesse macht?

Ja ich glaub, das ist unabdingbar. Wenn ich eins gelernt hab, dann dass wenn du Zuhause auf Aufträge wartest, nichts passiert. Aber das ist ja in jedem Bereich so. Du musst erst mal Gas geben, sonst weiß niemand, dass du da bist. Man darf auf keinen Fall stillstehen. Man muss immer weiter neugierig sein und immer weiter Fotos machen. Und eben auch oft mal umsonst. Wenn man aber richtig Bock drauf hat, wird das sich auch immer irgendwann auszahlen.  Es ist halt extrem wichtig, Präsenz zu zeigen. Ob über Webseiten oder Instagram oder worüber auch immer.

Instagram ist inzwischen das Wichtigste geworden, oder?

Auf jeden Fall. Instagram ist perfekt für die Verbreitung der Arbeit. Facebook ist irgendwie Reichweiten-mäßig ganz schön abgestürzt. Es gibt auch noch Tumblr, Flickr und so weiter – das sind aber alles sehr spezielle Plattformen.

Du hast ja wahnsinnig viele Porträts gemacht. Was ist für dich das Geheimnis, um ein gutes Porträt zu schießen?

Man könnte jetzt das sagen, was offensichtlich ist: Also, dass das Licht schön ist, man einen tollen Hintergrund hat und was auch immer. Aber ich glaube, dass es viel wichtiger ist, dass man eine Verbindung zu der Person hat. Ich glaube, wenn die Person einem vertraut in irgendeiner Form, kommt was Gutes bei rüber. Auch wenn man sie nur ziemlich kurz kennengelernt hat. Ich glaube, dass die Sekunde in der man sich kennenlernt tatsächlich absolut entscheidend ist. Weil man sieht oft Porträts, bei denen man eben die Anspannung der Leute sieht.

Wenn du ein Porträt-Shooting machst, hast du da dann schon eine Idee, oder schaust du, was mit der Person passiert?

Also die Location überlegt ich mir schon vorher. Und ich check auch, wie das Licht sein wird. Ob unter Umständen Regen ist, ob Sonne ist. Dass ist ja immer entscheidend für den Look. Oder ob man’s zuhause macht oder draußen. Aber der Rest passiert von alleine. Und das ist auch meistens so, dass es dauert. Nach einer Stunde wird man dann miteinander warm. Ganz selten ist es so, dass die ersten Bilder wirklich gut werden. Ich hab es aber auch schon zig mal gehabt, dass ich keine Connection aufbauen konnte. Und die Fotos dann nicht gut geworden sind. Und nie veröffentlicht wurden.

Die Portraits die du schießt, machst du immer noch analog, oder?

Die mach ich fast nur analog. Also ganz viel Mittelformat. Ich hab da so eine XXXXX (31:45). Ich find den Look immer noch einmalig. Ich mach hier und da auch mal was mit der Sony, aber ich erwisch mich immer wieder, dass ich meistens nur die, die ich auf Film geschossen hab, benutze. Ich fotografier eben ganz anders analog als digital. Da bin ich einfach nicht so konzentriert wie beim analogen Fotografieren. Digital mach ich immer alles ganz schnell und viel zu viele Bilder, anstatt mich einmal zu besinnen und überlegen. Bei analog weiß ich schon vorher, ob das funktioniert oder nicht.

Wieso?

Weil ich da meistens ein Gefühl für hab. Eigentlich müsste man ja denken: Digital sieht man doch sofort auf dem Bildschirm. Das stimmt auch. Und trotzdem: Wenn ich so ein Mittelformat-Foto mache und den Look sehe, denk ich mir auch: „Geil“. Für mich ist nach wie vor das Handwerk was Besonders und das Foto hat für mich gleich mehr Wert, wenn ich es selber entwickelt und selber gescannt habe. Man kann das gar nicht erklären.

Was hast du heute gemacht Erik?

Ich bin jetzt Fotografie-Dozent an einer privaten Design-Schule hier in Rostock und hatte heute Vorlesung.

Wie bist du dazu gekommen?

Ich hab für die Schule die Webseite neu bebildert. Der Leiter der Schule hat sich in Zuge dessen meine Webseite angeschaut und mich dann gefragt, ob ich nicht Bock hätte, dort zu unterrichten.

Wie ist es so Dozent zu sein?

Auf jeden Fall ganz interessant. Ich fand’s schon immer ganz cool, Leuten etwas beizubringen. Ich glaube, dass man gerade durch das Skaten irgendwie viel kreativer und offener ist, auch für Fehler.

Was lehrst du? Die Grundlagen der Fotografie?

Joa, angefangen mit den Basics. Ich hab jetzt drei verschiedene Klasse bekommen und so weit bin ich jetzt eigentlich im Einzelnen noch gar nicht gekommen. Aber klar: die Basics – ohne die Grundlagen ist es einfach schwierig, den Rest zu begreifen. Deshalb versuche ich, den Inhalt so spielerisch und praktisch wie möglich zu vermitteln.

Und den Lehrplan kannst du dir komplett selber ausdenken?

Genau. Also ich muss schon alle paar Monate mal ein Konzept abgeben. Aber grundsätzlich kann ich das schon selber bestimmen.

Wieso bist du eigentlich von Dresden zurück nach Rostock gegangen?

Zum einen weil meine Freundin schon immer geplant hatte, zurückzukommen, weil wir beide von hier sind und unsere Familien auch hier leben. Außerdem ist sie Zahnärztin und wollte bei ihrem Vater in der Praxis einsteigen wollte. Ich bin dann noch ein paar Jahre in Dresden geblieben weil mir die Stadt einfach so ans Herzen gewachsen ist. Irgendwann haben wir dann eben den Entschluss gefasst – und ich bin cool damit. Ich werde jetzt dann auch bald Vater und dann ist es einfach schöner, wenn man die ganze Familie zusammen hat. Und dadurch, dass ich nur alle zwei Wochen als Dozent arbeite, bin ich immer noch regelmäßig in Dresden. Ich leb gewissermaßen ein Hybrid-Leben zwischen den beiden Städten.

In dieses Fotografie-Business bist du also schon in Dresden „reingerutscht“?

Ja, das war in Dresden. Nachdem ich dort meinen Master beendet hatte, hab ich festgestellt, dass ich meine Zukunft nicht in diesem Beruf sehe – und dann hab ich eben nach und nach diese Fotografie-Geschichte ausgebaut. Finanziell hab ich mich erst mal mit Nebenjobs über Wasser gehalten, ich hab zum Beispiel zwei Jahre bei H&M gearbeitet. In der Zeit hab ich diese Fotografie-Geschichte weiter verfolgt und durch die Hilfe von Sebastian Linder immer mehr Kunden an Land gezogen. Die Dresdner Kunden buchen mich heute noch – trotz der Tatsache, dass ich inzwischen in Rostock lebe.

Dein Hauptgeschäft ist also immer noch in Dresden?

Ja, ich würd sagen so 70 Prozent Dresden. Ich bin jetzt ein Jahr hier und langsam beginnt das Ganze, auch hier Wurzeln zu schlagen. Ich arbeite inzwischen mit Agenturen zusammen – und natürlich auch die Dozenten-Sache. Im Bereich Fotografie musste ich mir in Rostock aber erst mal einen Namen machen, ich war ja hier quasi nicht existent als Fotograf. Das dauert eben einfach. Deshalb hab ich am Anfang sehr aktiv Akquise betrieben und mein Portfolio rumgeschickt und so. Und das hat auch funktioniert.

Welche Kamera hast du?

Meine Arbeitskamera ist eine Sony Alpha 7R2. Ich hab erst vor zwei Monaten mein ganzes Nikon-Equipment verkauft und bin auf Sony umgestiegen.

War die Nikon analog oder war das auch eine digitale?

Also ich hab natürlich zig analoge Kameras, weil ich das halt privat sehr gerne mache. Zum Arbeiten hatte ich eine digitale Nikon – aber die hab ich verkauft.

Du meinst Reise-Fotografie ist dein Ding. Oder Reportage-Fotografie. Du hast aber auch viele Porträts auf der Website. Welche Fotos magst du am liebsten? Oder welche Art der Fotografie bevorzugst du?

Also wenn ich mich für etwas entscheiden müsste, wären es die Porträts. Zu denen kam ich auch tatsächlich durch’s Skaten. Ich hab ja hier und da auch Skate-Fotos gemacht. Aber nichts desto trotz haben mich immer die Leute interessiert, die da dahinterstecken. Auch die Skater sind ja alles im Grunde Persönlichkeiten, Charaktere. Beim Porträts machen freue ich mich am meisten darauf, das Ergebnis zu sehen und so. Und ich verknüpf das aber oft so ein bisschen inzwischen, dass ich mir bestimmte Personen raussuche, die irgendwas bestimmtes machen. Seien’s jetzt Tänzer oder beispielsweise der Kickboxer, den ich aktuell begleite. Also einfach Charaktere, die was bestimmtes machen, womit ich mich noch nicht auskenne. Dass ich halt die Menschen trotzdem kennenlerne und porträtiere – aber auch noch die Geschichte dahinter erfahre. Aber natürlich wenn ich skaten bin, mach ich auch noch voll gern Skate-Fotos.

Aber so viel an Skateboarding schießt du nicht mehr oder? Man sieht von dir gar nicht mehr so viel...

Nö, es ist weniger. Da gebe ich dir Recht. Also ich bin natürlich auch wählerischer geworden bezüglich der Sachen, die ich veröffentliche. Hier und da gibt’s aber schon noch Skate-Fotos, wenn ich mal auf Tour bin. So wie jetzt auch mit Downright. Die haben ja jetzt dieses Video gemacht und wir waren da viel mit unterwegs. Da ist schon viel entstanden. Auch jetzt das Brettkollegen-Cover, dieses Foto in der Wasserrutsche.

Das hab ich auch bei Monster Children auf der Seite gesehen. Was geht da?

Monster Children macht jedes Jahr so einen Foto-Wettbewerb. Da hab ich mal vor Jahren mit einem analogen Skate-Foto gewonnen in der Studenten-Kategorie. Dafür hab ich dann von denen ein Lifetime-Abo bekommen. Und das Bild wurde gedruckt und hing dann auch in Australien in irgendeiner Galerie. Da hab ich in den vergangenen Jahren immer wieder mitgemacht – dann auch in den anderen Kategorien, in denen man Geld gewinnen kann. Inzwischen ist das Magazin auch deutlich bekannter und wird immer größer. Da reichen heute sogar Fotografen wie Ryan Allan und Jonathan Mehring Bilder ein. Und dieses Jahr wurde ich in der „echten“ Fotografie aus tausenden Bildern unter die Top 10 gewählt – mit meinem Rutschen-Bild. Die Top 5 kommen glaub ich ins Heft und der erste Preis kriegt dann Kohle.

Du hast gesagt, du begleitest gerade einen Kickboxer. Ist das ein Auftrag, den du bekommen hast oder machst du das aus Eigen-Interesse?

Ne, das hab ich tatsächlich aus Interesse gemacht. Die meisten Sachen, die man auf meiner Webseite oder meinem Instagram-Kanal sieht, sind meistens keine Jobs. Ab und an poste ich auf meiner Webseite auch mal berufliche Projekte – aber das sind echt nur die, die richtig geil finde. Ansonsten trenne ich das Private und das Geschäftliche.

Wie kommst du an die Aufträge? Oder welche Art von Aufträgen nimmst du an?

Für die Dozenten-Stelle wurde ich ja zum Beispiel angefragt, weil mein privates Portfolio so abwechslungsreich und interessant ist. Aber jetzt richtige kommerzielle Sachen bekomm ich viel über Langzeit-Kunden für dich einfach schon einiges gemacht hab. Oder eben jemand empfiehlt mich. Meistens läuft das tatsächlich über Mundpropaganda. Oft ist aber auch so, dass ich über private Projekte an Jobs komme. Beispielsweise bin ich in Dresden so ein bisschen in die Tanz-Szene eingetaucht. Das war super schwer als „Nicht-Tänzer“, 5000 Mails später konnte ich dann aber in einer Tanzschule fotografieren – auch bei einem Wettkampf. Der Tanzschule hat meine Arbeit voll gefallen, dann haben die mich wieder eingeladen und mich irgendwann für Jobs gebucht.  Und natürlich habe ich mein Portfolio mit Best-of-Fotos an Agenturen geschickt – das hat auch sehr geholfen.

Aber es scheint schon so zu sein, dass man als Fotograf oft in Vorleistung geht und Sachen aus Interesse macht?

Ja ich glaub, das ist unabdingbar. Und sehr wichtig. Also wenn ich eins gelernt hab, dann das wenn du Zuhause auf Aufträge wartest, nichts passiert. Aber das ist ja irgendwie in jedem Bereich so. Du musst erst mal Gas geben, sonst weiß ja niemand, dass du da bist. Sonst weiß niemand, dass du gut bist.

Ist das das Wichtigste, um es als freier Fotograf zu schaffen, dass man ein Portfolio hat und präsent ist und Dinge selber angeht?

Ja, das glaub ich zu 100 Prozent. Man darf auf keinen Fall stillstehen. Man muss immer weiter neugierig sein und immer weiter Fotos machen. Und eben auch oft mal umsonst. Wenn man aber richtig Bock drauf hat, wird das sich auch immer irgendwann auszahlen.  Es ist halt extrem wichtig, Präsenz zu zeigen. Ob über Webseiten oder Instagram oder worüber auch immer.

Instagram ist inzwischen das Wichtigste geworden oder?

Ja, auf jeden Fall. Instagram ist perfekt für die Verbreitung der Arbeit. Facebook ist irgendwie Reichweiten-mäßig ganz schön abgestürzt. Und die meisten benutzen Instagram. Es gibt ja auch noch Tumblr, Flickr und so weiter – das sind aber alles sehr spezielle Plattformen.

Du hast ja wahnsinnig viele Porträts gemacht. Was ist für dich das Geheimnis, um ein gutes Porträt zu schießen?

Man könnte jetzt das sagen, was offensichtlich ist: Also, dass das Licht schön ist, man einen tollen Hintergrund hat und was auch immer. Aber ich glaube, dass es viel wichtiger ist, dass man eine Verbindung zu der Person hat. Ich glaube, wenn die Person einem vertraut in irgendeiner Form, kommt was Gutes bei rüber. Auch wenn man sie nur ziemlich kurz kennengelernt hat. Ich hab aber viele Leute auch einfach so gefragt. Viele Mädchen oder auch Profi-Skater. Ich glaube, dass die Sekunde in der man sich kennenlernt tatsächlich absolut entscheidend ist. Dann hast du schon ’ne gute Basis, um ein gutes Porträt von jemandem zu bekommen. Und ein ehrliches Porträt vor allen Dingen. Weil man sieht oft Porträts, bei denen man eben die Anspannung der Leute sieht. Es ist ja nicht einfach vor der Kamera zu stehen für Leute, die das nicht professionell machen.
Ich glaube, dass ist in allen Bereichen auch immer ein wichtiger Aspekt. Dass die Persönlichkeit stimmt und diese persönliche Beziehung, egal was man macht.

Wenn du ein Porträt-Shooting machst, hast du da dann schon eine Idee, oder schaust du, was mit der Person passiert?

Also die Location überlegt ich mir schon vorher. Und ich check halt auch vorher, wie das Licht sein wird. Ob unter Umständen Regen ist, ob Sonne ist. Dass ist ja immer entscheidend für den Bild-Look. Oder ob man’s zuhause macht oder draußen. Aber der Rest passiert meistens von alleine. Und das ist auch meistens so, dass es dauert. Nach einer Stunde wird man dann miteinander warm. Ganz selten ist es mal so, dass die ersten Bilder wirklich gut werden. Ich hab aber auch schon zig mal das gehabt, dass ich keine Connection aufbauen konnte. Und die Fotos dann nicht gut geworden sind. Und nie veröffentlicht wurden.

Du hast ja gesagt, du sprichst die Leute dann an, ob die Bock haben ein Shooting mit dir zu machen. Ich hab jetzt irgendwo auf der Webseite gelesen, dass du ein Mädel einfach auf der Straße gesehen hast, dann ihre Nummer irgendwie rausgefunden und sie angerufen hast. Wie ist das abgelaufen?

Ja, da war ich auf einem Konzert und hab dort dieses super interessante Mädel gesehen. Ich hab gesehen, dass sie mit jemandem da war, den ich kannte. Dann hab ich mir im Nachhinein über den Kollegen die Nummer besorgt und sie einfach mal angeschrieben. Sie hat sich dann mein Portfolio angeschaut, fand die cool und ist dann sogar extra von Leipzig nach Dresden gefahren um mit mir Bilder zu schießen. Deshalb nochmal: Ein gutes Portfolio ist super wichtig – die Leute fassen dann gleich Vertrauen und wissen, dass du nicht irgendwelchen Blödsinn machst.

Damit man merkt, dass das nicht so ein schmieriger Typ ist, der jetzt gerade mal Bilder mit einem machen möchte um einen "groß rauszubringen" oder was auch immer.

Das ist ja das Riesen-Klischee. Absolut. Und es ist ja auch immer komisch. So, „Hey, wollen wir mal Fotos machen?“ Aber ich mach das schon relativ schnell klar, dass es mir da um die Kunst geht und um nix anderes.

Gibt es auch so Fotografen-Groupies, die versuchen, mit möglichst vielen Fotografen Bilder zu schießen?

Es gibt schon Models, die super viel machen und mit den Fotografen mit den meisten Likes abhängen wollen, um dann eben selber wieder im Ranking zu steigen. Das gibt’s schon – aber ich hab jetzt persönlich sowas noch nicht erlebt. Ich hab mal ein Mädel fotografiert, die war, als ich sie das erste Mal gefragt hab, noch ziemlich unbekannt bei Instagram. Das hat sich jetzt  krass entwickelt. Jetzt hat sie 30.000 Follower und ist so ein bisschen Instagram-Girl in Berlin. Wir haben auch immer noch Kontakt und haben auch nochmal geschossen.

Die Portraits die du schießt, machst du immer noch analog, oder?

Die mach ich fast nur analog. Also ganz viel Mittelformat. Ich hab da so eine XXXXX (31:45). Ich find den Look immer noch einmalig. Ich mach hier und da auch mal was mit der Sony, aber ich erwisch mich immer wieder, dass ich meistens nur die, die ich auf Film geschossen hab, benutze. Ich fotografier eben ganz anders analog als digital. Da bin ich einfach nicht so konzentriert wie beim analogen Fotografieren. Ist ganz komisch. Digital mach ich immer alles ganz schnell und viel zu viele Bilder. Anstatt mich einmal zu besinnen und überlegen, was willst du jetzt eigentlich wirklich fotografieren. Bei analog weiß ich schon vorher, ob das funktioniert oder nicht.

Wieso weißt du bei analog schon vorher, ob es funktioniert oder nicht?

Weil ich da meistens ein Gefühl für hab. Eigentlich müsste man ja denken: Digital sieht man doch sofort auf dem Bildschirm. Das stimmt auch. Und trotzdem: Wenn ich so ein Mittelformat-Foto mache und den Look sehe, denk ich mir auch: „Geil“. Für mich ist auch nach wie vor das Handwerk was besonders. Und das Foto hat für mich gleich mehr Wert, wenn ich es selber entwickelt und selber gescannt habe. Man kann das gar nicht erklären.

Machst du deswegen auch viel in Schwarz-Weiß weil du selbst entwickelst und das einfacher ist? Oder ist das eine ästhetische Entscheidung?

Sowohl als auch. Es ist ästhetischer. Und zeitloser. Aber es gibt noch ein Geheimnis: Ich hab ’ne Rot-Grün-Farbschwäche. Deswegen fühle ich mich glaube ich zu Schwarz-Weiß mehr hingezogen. Weil es für mich einfacher ist zu verarbeiten. Und ich auch viel in Hell-und-Dunkel-Unterschieden sehe. Ich hab das natürlich mal recherchiert, was das so bedeutet. Es wurde nachgewiesen, dass Personen, die diese Beeinträchtigungen haben, viel mehr im Hell-Dunkel-Bereich unterscheiden können als jetzt Leute, die das nicht haben. Dafür seh ich manchmal nicht, wenn ein Foto einen Rotstich hat oder so. Aber ich hab ganz gut gelernt, damit zu arbeiten. Ich lass auch meistens nochmal jemanden drüber gucken sicherheitshalber.

Schwarz-Weiß hat ja auch Vorteile. Was funktioniert in Schwarz-Weiß was in Farbe nicht funktionieren würde?

Zum Beispiel Muster, oder Sachen, die viel Hell-Dunkel-Unterschiede haben. So klirrende Sachen – ein Herbstwald beispielsweise. Deswegen muss man halt gucken, dass man in schwarz-weiß viel mehr nach Bildaufbau und Flächen fotografiert. Nach Hell-Dunkel. Nach verwirrenden, unruhigen Dingen. So ein bisschen wie French Fred. Aber der fotografiert ja auch fast nur in schwarz-weiß und orientiert sich viel an Linien und Formen.

Du hast gesagt, du schaust, dass du Leute fotografierst, die dich interessieren. Was muss ein Menschen haben, dass du ihn fotografieren willst?

Das kann ich dir nicht sagen. Das ist tatsächlich so eine unterbewusste Sache. Ich muss die Leute auch meistens in Echt sehen, um das einschätzen zu können. Tatsächlich hängt aber viel von den Augen ab. Das sieht man auch auf meinen Porträts, dass ich viel Wert darauf lege, dass die Augen zur Geltung kommen. Außerdem achte ich auf den Charakter, die Körpersprache. Auf Selbstbewusstsein. Ich suche viel nach Menschen mit Ecken und Kanten, die nicht unbedingt in ein bestimmtes Schönheitsideal passen. Nach Sachen die anders sind. Aber das ist alles sehr subjektiv.

Skatest du eigentlich nicht mehr so viel?

Doch. Ich fahr echt extrem viel. Drei bis vier Mal die Woche. Ich filme auch nach wie vor. Aber dadurch, dass mein Instagram-Kanal mein Foto-Kanal ist, gibt’s von mir einfach nicht so viel Insta-Footage. Zudem ist die Footage, die es von mir gibt, meistens an feste Projekte gebunden. Wie jetzt das Downright-Video. Wir bringen jetzt auch ein Video mit der Rostock-Connection raus. Ich hab glaub ich zehn Minuten Footage, die einfach nicht veröffentlicht wird. Ich fahr auch für Habitat seit einem halben Jahr – und der Clip dazu ist fertig.