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Lobby Hamburg

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"Uns ist es wichtig, dass die Brand auch was an die Skateboard-Szene zurückgibt."

Was habt ihr beiden denn vorher gemacht?

Also Antonio hat davor ne Ausbildung gemacht zum technischen Zeichner. Und ich hab auch schon vorher im Skateboard-Biz gearbeitet – als Produktions-Manager bei einer Board-Company, für Radio und auch für die Yama-Jungs. 

Und wie kam’s dazu, dass ihr euren eigenen Laden aufgemacht habt?

Bei mir war das so, dass ich Ende 2015 einfach nicht mehr wirklich happy war in meinem Beruf. So ähnlich war’s auch bei Antonio. Der hatte zu dem Zeitpunkt gerade seine Ausbildung abgeschlossen – und auch nicht wirklich Bock darauf, in dem Business weiter zu arbeiten. Hinzu kommt, dass ich damals bereits seit geraumer Zeit mit dem Gedanken gespielt hatte, einen Shop zu eröffnen – irgendwie hat’s aber doch immer an der letzten Motivation gefehlt. Am Ende war’s dann ne ziemlich spontane Aktion. 

Und da war für dich gleich klar: den Antonio nehme ich mit ins Boot? Oder wie habt ihr euch letztlich gefunden?

Also Antonio und ich sind schon lange befreundet. Und das ist mir bei so einer Sache schon sehr wichtig. Außerdem passen wir, was das Business betrifft, echt gut zusammen. Wir gehen uns natürlich auch mal ordentlich auf den Sack – aber ohne nachtragend zu sein.

Du hast es ja schon erwähnt: Einen Skateshop zu führen, ist ne schwierige Geschichte. Was es für euch nicht ein Wagnis? Habt ihr lange hin und her überlegt, bevor ihr durchgestartet seid?

Klar, auf ne gewisse Weise ist das natürlich schon ein Wagnis. Wir hatten jetzt auch nicht irgendwelche großen Ersparnisse auf der hohen Kante. Deswegen haben wir versucht, von Beginn an smart mit der ganzen Geschichte umzugehen und das Risiko, so weit es geht, gering zu halten. Aber trotzdem haben wir natürlich intensiv darüber nachgedacht, ob wir das machen oder nicht – aber wie gesagt: am Ende ging’s dann doch relativ schnell. 

"Deshalb finde ich, wenn du mit Skateboarding dein Geld verdienst, bist du es der Szene auch gewissermaßen schuldig, etwas zurück zugeben."

Kaufen bei euch ausschließlich Core-Skater ein oder gibt’s auch Leute außerhalb der Skate-Szene, die auf die coolen, kleinen Brands abgehen?

Also es ist gemischt würd ich sagen. Wir haben sowohl den informierten Skater, der ganz genau weiß, auf was er Bock hat als auch den ganz normalen Dude, der einfach die Klamotten oder die Schuhe cool findet. Was uns halt echt entgegen kommt, ist die Lage unseres Shops – da kommen täglich massig Touristen vorbei. Zudem spielt uns schon auch der ganze Supreme-/Palace-Hype in die Karten. Dadurch funktionieren auch Marken aus dem Umfeld bei den Hip-Kids aktuell ganz gut, beispielsweise Fucking Awesome. 

Ist es für einen Skateshop heutzutage wichtig, dass auch Leute außerhalb der Szene einkaufen? Also würde sich ein Skateshop nicht tragen können, wenn man nur die Core-Skater hätte?

Auf gar keinen Fall! Also bei uns würd’s auf jeden Fall nicht gehen. Ich denke, dass das bei anderen Shops ähnlich ist. Die Core-Szene ist zum größten Teil ja auch der Freundeskreis. Und da Skater ja bekanntlich nicht auf großen Geld-Stacks sitzen, wird bei jedem Board und bei jedem Schuh gefeilscht. Die Szene ist also mehr Marketing als hundertprozentiger Kunde.

Ich hab es so wahrgenommen, dass es um die Hamburger Skater-Szene in den vergangenen Jahren etwas ruhiger geworden ist. Muss sich ein Skateshop seine eigene Kundschaft „schaffen“, indem er die Szene pusht? Also ist der Shop gewissermaßen selbst verantwortlich für seinen Umsatz?

Also ich würde sagen: Auf jeden Fall! Skateboarding ist ja ne super familiäre Sache. Deshalb finde ich, wenn du mit Skateboarding dein Geld verdienst, bist du es der Szene auch gewissermaßen schuldig, etwas zurück zugeben. Dass du schaust, dass deine Jungs vorankommen, dass Events stattfinden und das ganze Zeug. Außerdem muss man als Shop auch immer wieder die Brands in die Pflicht nehmen – dass die auch lokal mehr fördern und Sachen an den Start bringen. 

Welche Sachen habt ihr denn schon umgesetzt mit denen ihr die Szene supporten wolltet? Und was ist geplant in Zukunft?

Wir haben von Beginn an versucht, unserer Ladenfläche dazu zu nutzen, Events an den Start zu bringen. Video-Premieren, Releases und so weiter. Wir wollen aber nicht nur die Jungs supporten, die gut skaten. Wir wollen auch das Umfeld unterstützen. Vor allen Dingen auch Künstler aus dem Skate-Business. Wir hatten zum Beispiel Ausstellungen mit Julian Furones, Laura Kaczmarek, Michel Lang und French Fred. Für uns ist das extrem wichtig – auch weil in Hamburg lange Zeit kein richtiger Fotograf mehr am Start war. Das hat dem Output und demnach auch der Wahrnehmung, die eine Stadt hat, echt geschadet. Anfang des Jahres haben wir zudem unseren ersten kleinen Contest ausgerichtet. Direkt hier bei uns an der Rindermarkthalle. Mit anschließender Party im Shop. Solche Sachen wollen wir auf jeden Fall auch in Zukunft weiter hin machen – auch um die kleinen Crews und die Leute, die in der Generation nach uns kommen, einfach ein bisschen zu motivieren, wieder mehr zu machen.

Ich hab auch das Gefühl, dass man wieder mehr mitbekommt aus Hamburg. Hast du auch den Eindruck, dass die Szene aktiver, lebhafter und größer geworden ist seit ihr am Start seid?

Also ich glaub schon, dass wir einen positiven Einfluss haben und über den Shop die Szene so ein bisschen lenken können. Man muss aber auch ehrlicherweise zugegeben: Es gab auch zuvor schon Leute, die in Hamburg was gemacht haben – beispielsweise Nizan oder Jonas Strecker, die immer coole Videos gemacht haben. Die haben aber nie so viel Aufmerksamkeit bekommen, was meiner Meinung auch damit zusammenhängt, dass hier in Hamburg nie eine große Brand oder ein Magazin oder irgendwas dahinter stand. 

Wer sind denn eigentlich eure Teamfahrer?

Nizan XXX, Kenny XXX, Christoph Friedmann, Benni Vogel, Christoph Reinhardt, Dennis Behrens und unsere young gun Anton Wendler. Ah – und Danny Stephens. 

Habt ihr auch Shop-Boards oder Shop-Shirts oder Ähnliches?

Klar, wir haben schon ein bisschen was gemacht bisher. Ein paar Caps und Shirts haben wir rausgehauen. Aber bisher eigentlich primär für die eigene Crew. Wobei da auf jeden Fall mehr kommen soll. Was Shop-Boards angeht, da möchte ich erst Mal eigentlich nichts machen. Dadurch, dass du Shop-Boards im Normalfall relativ günstig anbietest, verkaufst du einfach weniger Boards von anderen Brands. Und wir wollen ja die Brands, die wir führen, auch supporten. 

Wie ist denn bei euch im Shop so das Verhältnis zwischen Hardware, Klamotten und Schuhen?

Also so prozentual kann ich dir das gerade aus dem Kopf raus gar nicht sagen. Aber da muss man schon realistisch sein. Leben tust du als Shop vom Klamotten- und Schuhverkauf. Boards kaufen sich eben wirklich nur die Leute, die auch skaten. Skateschuhe werden ja hingegen inzwischen von jedem getragen. 

Und die Margen sind ja auch nochmal auch anders...

Margen bei Boards... Da willst du dich erschießen… 

"Es ist jetzt nicht die Regel, dass wir jeden Tag ein Paket nach Japan, Russland oder Australien oder so schicken – aber es kommt auf jeden Fall immer wieder vor."

Für die meisten Skateshop-Besitzer, mit denen ich bisher gesprochen hab, sind die Web-Shops inzwischen irre wichtig. 

Ja, auf jeden Fall. Das ist auch etwas, mit dem ich im Vorhinein nicht so gerechnet hatte. Der Web-Shop ist super wichtig. Das haben wir letzten Winter gemerkt. Da gab’s echt Monate, in denen das Verhältnis Online zu Shop 70 zu 30 war. Im Sommer verschiebt sich das natürlich ein bisschen. 

Habt ihr auch viele Bestellungen aus dem europäischen Ausland und über die Grenzen der EU hinaus?

Ja! Innerhalb Europas verschicken wir viel nach England, Skandinavien oder Frankreich. Es ist jetzt nicht die Regel, dass wir jeden Tag ein Paket nach Japan, Russland oder Australien oder so schicken – aber es kommt auf jeden Fall immer wieder vor. 

Krass. Ich dachte, die hätten ihre eigenen Shops…

Hab ich auch mal vermutet. Aber, tja – wer weiß…

Gibt’s denn noch andere Sachen, die du nicht erwartet hättest als du mit dem Shop angefangen hast?

Auf das meiste waren wir eigentlich vorbereitet. Was mich dann aber doch überrascht hat ist, wie viel Zeit man in die ganze Darstellungs-Social Media-Geschichte investieren muss. Wie oft du vor dem Web-Shop hockst. Wie oft du bei Photoshop irgendwas freistellst. 

Das heißt, die Produktfotos macht ihr auch alle selber? Auch für den Shop?

Ja, alles bei uns hier hinten im Office. In unserem Mini-Studio. 

Ihr habt ja eh relativ zügig einen guten Web-Shop zusammengehabt. Wenn ich das mit anderen Skateshops vergleiche, ging’s bei euch doch relativ fix.

Ja, das war auch irgendwie wieder genau so, wie mit der Einrichtung. Unser Kumpel Fabio Schöneweiß ist Grafiker und sitzt im Büro zusammen mit einem Programmierer. Und so kam dann auch wieder eins zum anderen. War natürlich auch von Vorteil, dass Fabio selbst auch skatet und demnach immer Peil hatte, was wir von ihm wollten. 

Wolltet ihr bewusst auch die deutschen Sachen pushen?

Ja voll. Das ist uns auf jeden Fall sehr wichtig. Es kommt ja auch immer mehr deutsches Zeug, das auch international Aufmerksamkeit erregt. Wie Europe beispielsweise. 

Ist es für euch dann nicht schwierig, Ladenfläche für ein solches Brand bereitzustellen, das nicht so bekannt ist und dafür weniger Platz zu haben für Alltimers-, Dime- oder Polar-Sachen, die sich möglicherweise besser verkaufen würden? 

Würd ich nicht sagen. Nils und die Jungs von Europe waren auch hier oben und haben ihr Video bei uns im Shop vorgestellt. Dann haben die Leute natürlich einen ganz anderen Bezug zur Brand. Mit den Jungs von Alltimers oder Polar feiert man eben eher selten. Also hatte ich jetzt nicht das Gefühl, dass mir die Europe-Sachen wertvolle Ladenfläche geklaut haben. Die Sache lief und läuft richtig gut. Aber das weißte natürlich im Vorhinein meistens nicht…

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