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Books – Willow - The German Hammerking

Die Memoiren des Christoph Wildgrube

Lese

Interessant macht das Magazin vor allem, dass es anders ist als andere Skatemags. The Quiet Leaf ist weniger fokussiert auf Tricks, sondern mehr auf Geschichten. Eher textlastig und sehr unaufgeregt begleitet es Menschen aus dem Skateboardkosmos und widmet sich pro Ausgabe einem Überthema.

Du ja noch keine 80 Jahre alt, deswegen kommen deine Memoiren ja doch etwas früh. Was hat dich dazu veranlasst, das Buch zu machen?

Das kam einfach durch die ganzen Geschichten und durch meine Frau. Sie meinte: „Die Sachen, die du immer erzählst, sind einfach spannend und ich würde gerne noch mehr darüber wissen. Wenn ich meine Freundinnen treffe, muss ich denen immer erklären, was du machst und ich finde es klasse, wenn du daraus ein Buch machen würdest, das ich denen dann einfach zeigen kann.“ So in dem Style. Dann habe ich damit angefangen und das Buch war erst schon länger geplant, aber dann kamen ein paar Sachen dazwischen – steht auch im Buch. Und dann waren das wiederum ein paar Gründe mehr das Buch zu schreiben. Einfach um den Leuten zu zeigen… Naja ich weiß ja nicht, wie die Leute in Deutschland gerade Skateboarding sehen, aber in dem Buch steht es eigentlich schwarz auf weiß, wie es ist, wenn du wirklich als Deutscher Profi in den USA bist. Dann kann man das ein wenig nachvollziehen und vielleicht wollte ich den Kids auch etwas mitgeben. Aber es ist auch einfach für mich schön zu wissen… Ich habe das jetzt zuhause und da ist so ein Viertel meines Lebens drin und es macht auch Spaß das alles aufzuarbeiten. Ich will damit gar nicht angeben, sondern einfach nur zeigen, wie das in der DDR so war. Mit ein paar Stories, die ich erlebt habe und wie das ist, wenn du wirklich deinen Weg gehst. Wenn du dir in der Schule überlegst, dass du Profi-Skateboarder werden willst. Was man dann erleben kann und das es bei allem gute und schlechte Seiten gibt.

Wie lange hast du an dem Buch gearbeitet?

Bestimmt drei oder vier Jahre. Mit Pausen. Also in den vier Jahren habe ich mich glaube ich 28 Mal mit Nina, der Autorin, getroffen. Und dann war es runtergeschrieben.

Und du hast dann immer erzählt und sie hat aufgenommen und es dann später alles aufgeschrieben.


Du hast ja schon angesprochen, dass es während der Entstehung des Buches Unterbrechungen gab und deine Angststörung ist am Ende des Buches explizit ein Thema. Ist das der Preis des Profi-Geschäfts, den du an der Stelle gezahlt hast?

Ne, das sind viele Sachen. Das ist nicht nur wegen Skaten gewesen. Aber der Auslöser war eigentlich meine Frau und meine Kinder, aber dieser ganze Druck und das von Sponsoren fremdgesteuert sein – das ist ein großer Aspekt von alledem. Ich habe halt alles in mich hineingefressen und bin dann so geendet. Profiskaten war aber immer mein Traum und von daher war ich deswegen eigentlich immer glücklich, aber dann kommen auch Verletzungen dazu. Auch mental für das Selbstwertgefühl, zum Beispiel, wenn du einen Sponsor verlierst. Irgendwann rächen sich auch Alkohol und Drogen. Das kommt dann alles in einen Sack, den du auf deinem Rücken schleppst und irgendwann ist der so voll, dass du umfällst und nicht mehr weißt, wo hinten und vorne ist. Es wird einfach zu viel und du bist nur noch so eine kleine Ameise und weißt nicht mehr, was Realität und Wahrheit ist.

Wenn du sagst, dass deine Frau und deine Kinder der Auslöser waren, bedeutet das, dass du Angst hattest, die zu verlieren, oder? Das waren Verlustängste.

Genau, diese Verlustängste waren der Auslöser. Und dann hat sich das zugespitzt. In zwei Monaten wurde es so extrem, dass es halt auf die Sachen hinausgelaufen ist, die ich dann im Buch schildere. Ging ganz schnell. Und ich kann nur jedem sagen, der so Anflüge davon hat, lasst euch direkt behandeln. Weil ich habe es nicht gemacht und bereue es. Immer Schweigen hilft nicht. Ich bin glücklich, dass ich nochmal die Kurve bekommen habe. Es hätte auch anders enden können.

Du hast es dann in den Griff bekommen.

Genau, ich habe mich dann einweisen lassen. Das steht zwar nicht drinnen, aber ich bin dann für zwei Monate in eine Klinik gegangen und habe einfach bei 0 angefangen und musste mir erst mal wieder erklären lassen, wie das Leben funktioniert, warum ich auf der Welt bin und dass es Sinn macht, positiv zu denken, anstatt negativ. Sowas lernt man dann in Therapie und ich war abgeschottet von Familie und Freunden – keiner wusste, wo ich bin. Ich hatte zwei Monate keinen Kontakt zu irgendjemandem und deswegen hat das auch keiner mitgekriegt. Dann kam ich raus und man fühlt sich dann schon irgendwie beflügelt, ganz leicht und wohl. Du musst die ganze Welt wieder neu ertasten. Skaten musste ich wieder neu für mich entdecken. Aber klar, die Familie war halt meine Basis, meine Rettung. Meine Eltern, meine Kinder und meine Frau. Das war natürlich ein Volltreffer, Sechser im Lotto. Hätte ich das nicht gehabt, dann wäre es auch ein bisschen anders gelaufen, schwieriger geworden, da durchzukommen. So habe ich mich gut gefangen und bin eigentlich stärker aus der Sache rausgegangen, als ich vorher war. Ich habe Sachen gelernt, die konnte ich mir vorher nicht vorstellen – was man alles mit dem Kopf hinkriegen kann und was nicht. Ist eigentlich alles so wie vorher, nur dass du gestärkter bist. Da sind zwar noch Narben, aber die Narben verheilen. Und manchmal tut so eine Wunde noch weh, aber du weißt, was es ist und lässt dich davon nicht beirren.

Ich finde es super, so offensiv damit umzugehen. Es ist bemerkenswert soetwas durchzustehen, weil es eine Menge Kraft kostet. Ich finde es auch super, dass du so offen darüber sprichst, weil das ja komischerweise immer noch ein gewisses Tabu ist. Wenn jemand einen Blinddarm rauskriegt und im Krankenhaus liegt, würde ja auch niemand sagen: „Oh, das ist irgendwie seltsam.“

Genau, psychische Erkrankungen sind Gang und Gebe. Was ich da auch erfahren habe, wie viele Leute und was für Menschen damit zu kämpfen haben. Das würdest du gar nicht glauben. Echt krass. Und es tut echt gut, sich da mal komplett zu regenerieren.

Was für dich ja sehr belastend war, waren diese Reisen. Wenn es jetzt ums Etnies-Video geht und du sagst, dass du viel in Amerika unterwegs warst oder die nach Europa kommen: Wie ist das mittlerweile? Kriegst du es hin, zu reisen und zu touren?

 Ich habe mir gesagt, dass ich nicht länger als drei Wochen gehe, weg, weil das für mich scheisse ist, so lange von der Familie getrennt zu sein und weil es länger einfach nichts bringt. Nach drei Wochen ist bei mir der Zunder raus und da geht auch vorne und hinten nichts mehr. Ich will dann persönlich einfach nur zurück. Jetzt ist das Fliegen und Reisen wieder ganz angenehm geworden. Ich habe da so viel gelernt. Wenn ich jetzt im Flugzeug sitze und jemandem neben mir habe, dann kann ich den helfen, mit ihrer Flugangst umzugehen.

Nochmal zum Buch zurückzukommen: Wird es denn dazu Lesungen oder sowas in der Art geben?

Ja, ich hatte so etwas geplant. Aber ich weiß noch nicht wo. Vielleicht fange ich einfach in Ludwigsfelde an, wo ich geboren bin. In der Gesamtschule dort. Da habe ich auf jeden Fall Bock drauf.

"Ich bin dann für zwei Monate in eine Klinik gegangen und habe einfach bei null angefangen und musste mir erst mal wieder erklären lassen, wie das Leben funktioniert"

Wenn du sagst, dass deine Frau und deine Kinder der Auslöser waren, bedeutet das, dass du Angst hattest, die zu verlieren, oder? Das waren Verlustängste.

Genau, diese Verlustängste waren der Auslöser. Und dann hat sich das zugespitzt. In zwei Monaten wurde es so extrem, dass es halt auf die Sachen hinausgelaufen ist, die ich dann im Buch schildere. Ging ganz schnell. Und ich kann nur jedem raten, der Anflüge davon hat, lasst euch direkt behandeln. Weil ich habe es nicht gemacht und bereue es. Immer schweigen hilft nicht. Ich bin glücklich, dass ich nochmal die Kurve bekommen habe. Es hätte auch anders enden können.

Wie du es ja im Buch beschreibst, hast du die Sache in den Griff bekommen.

Genau, ich habe mich dann einweisen lassen. Das steht zwar nicht drinnen, aber ich bin dann für zwei Monate in eine Klinik gegangen und habe einfach bei null angefangen und musste mir erst mal wieder erklären lassen, wie das Leben funktioniert, warum ich auf der Welt bin und dass es Sinn macht, positiv zu denken, anstatt negativ. Sowas lernt man dann in Therapie und ich war abgeschottet von Familie und Freunden – keiner wusste, wo ich bin. Ich hatte zwei Monate keinen Kontakt zu irgendjemandem und deswegen hat das auch keiner mitgekriegt. Dann kam ich raus und man fühlt sich dann schon irgendwie beflügelt, ganz leicht und wohl. Du musst die ganze Welt wieder neu ertasten. Skaten musste ich wieder neu für mich entdecken. Aber klar, die Familie war halt meine Basis, meine Rettung. Meine Eltern, meine Kinder und meine Frau. Das war natürlich ein Volltreffer, Sechser im Lotto. Hätte ich das nicht gehabt, dann wäre es auch ein bisschen anders gelaufen, schwieriger geworden, da durchzukommen. So habe ich mich gut gefangen und bin stärker aus der Sache rausgegangen, als ich vorher war. Ich habe Sachen gelernt, die konnte ich mir vorher nicht vorstellen – was man alles mit dem Kopf hinkriegen kann und was nicht. Da sind zwar noch Narben, aber die Narben verheilen. Und manchmal tut so eine Wunde noch weh, aber du weißt, was es ist und lässt dich davon nicht beirren.

Ich finde es super, dass du so offensiv damit umgehst, weil das ja komischerweise immer noch ein gewisses Tabu ist. Wenn jemand einen Blinddarm rauskriegt und im Krankenhaus liegt, würde ja auch niemand sagen: „Oh, das ist irgendwie seltsam.“

Genau, psychische Erkrankungen sind Gang und Gebe. Was ich da auch erfahren habe, wie viele Leute und was für Menschen damit zu kämpfen haben. Das würdest du gar nicht glauben. Echt krass. Und es tut echt gut, sich da mal komplett zu regenerieren.

Nochmal zum Buch zurückzukommen: Wird es denn dazu Lesungen oder sowas in der Art geben?

Ja, ich hatte so etwas geplant. Aber ich weiß noch nicht wo. Vielleicht fange ich einfach in Ludwigsfelde an, wo ich geboren bin. In der Gesamtschule dort. Da habe ich auf jeden Fall Bock drauf.