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Ärger im Olymp

Der DRIV wirft die Sportkommission Skateboard raus

Als Skateboarding olympisch wurde haben wir erst mal ein kollektives „Shit“ ausgestoßen und uns dann gefragt, wie das wohl werden wird? Als dann das, was da werden sollte, langsam wurde, haben wir uns irgendwie verpflichtet gefühlt, einen Überblick zu verschaffen und haben uns mit dem Vorsitzenden der Skateboardkommission, Hans-Jürgen „Cola“ Kuhn, dem Bundestrainer der Herren Jürgen Horrwarth und mit Alex Mizurov, als einem der Skater aus dem Team, unterhalten. Danach hatten wir Worte wie Landesverband, Fachwart und Leistungszentrum zu oft gehört, als dass wir weiter am Thema hätten bleiben wollen. Dann kam die letztjährige SKTWK und mit ihr die Dopingkontrollen und wir bekamen nochmal Bluthochdruck, aber kurz darauf sahen wir ein Sportschau Interview von Cola und dachten: Wenn der offiziellste Vertreter deutschen Skateboardings die Sache ähnlich kritisch sieht wie wir, kann es schon nicht so schlimm werden. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, aber die Richtung schien zu stimmen. Kürzlich wurden wir allerdings auf einen Artikel aufmerksam, der über Veränderungen im Verband berichtete und fanden, man müsste jetzt doch noch mal was zu der Nummer sagen. Auch wenn das ungefähr so viel Spaß macht, wie auf einen Contest Run zu trainieren.

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Wie ging’s los?

Fangen wir zum Verständnis nochmal von Vorne an. Damit man ein Olympiateam stellen kann, muss man einem Dachverband angehören, welcher vom IOC akzeptiert ist (oder sich einem anschließen, eine Neugründung ist nicht möglich). In Deutschland ist das der Deutsche Rollsport und Inline-Verband (DRIV), der zusammen mit Skateboarding insgesamt acht Rollsportarten vertritt. Die Zusammenarbeit war allerdings eher eine Zweck-WG, oder wie Cola es ausdrückt: „Der DRIV war vorher ein relativ bedeutungsloser Verband. Der hat insgesamt 35.000 Mitglieder und hat sieben Sportarten gehabt, die alle nicht olympisch sind. Die alle irgendwo am Katzentisch des Sports sind. Nur mit uns als achter Sportart wurde der ganze Verband olympisch. Da wurde der Präsident plötzlich wichtig, es gab Geld in Hülle und Fülle und deswegen sind sie an diesem Aspekt massiv interessiert.“ Da die Skateboardkompetenz im Verband jedoch in etwa so hoch war wie unsere Kompetenz für Rollhockey oder Inline Alpin, wurde die ehrenamtliche Sportkommission Skateboard (SK) eingesetzt, bestehend aus Landesfachwarten und Cola als Vorstand. Die sollten sich um die Belange von Skateboarding kümmern und haben uns dabei die SKTWK beschert. Ihr kennt das Sprichwort mit dem Leben, der Zitrone und der Limo? Das Ding mit Olympia schien sich so ähnlich zu entwickeln und einigermaßen im Griff. Bis dann dieser Artikel erschien, in dem darüber berichtet wurde dass der DRIV Cola hatte rauswerfen wollen, daran vor dem Verbandsgericht gescheitert war, und daraufhin einfach kurzerhand die komplette Skateboardkommission aufgelöst hat, wodurch Stephan Reifenberg, der Sportdirektor des DRIV, zum neuen Oberbefehlshaber über Skateboarddeutschland geworden ist. Naja, über 3200 Skateboarder zumindest, die in Vereinen organisiert sind. Viele davon wahrscheinlich nur auf dem Papier, weil Vereinszugehörigkeit bei einigen Contests zur Startvoraussetzung geworden war.

Was ist passiert?

Doch ein weiteres Mal zurück auf Anfang um die Frage zu klären, wieso es überhaupt zur Auflösung der SK kam? Stephan Reifenberg sagt es gibt weitreichendere, den Verband gefährdende Gründe als nur die Terminierung der Deutschen Meisterschaft – die zum finalen Zankapfel wurde – könne aber über manches nicht reden, weil es noch schwebende Verfahren gibt. Zur Terminierung der Meisterschaft jedoch äußerst er sich wie folgt. „Ich hab die SK angeschrieben, weil die Kader Athleten nicht auf die Punkte aus der Deutschen Meisterschaft für die Qualifikation verzichten wollten. Das haben die als sehr wichtig eingestuft, genau so haben wir das eingeschätzt und der SK präsentiert. Das wurde leider abgelehnt. Einige Kader Athleten haben dann die unabhängige Athleten Vertretung (Athleten Deutschland) angerufen. Die haben dann uns angerufen und gefragt, warum wir uns gegen die zweckgebundene Förderung verhalten? Das hätte zur Folge haben können, dass der Haushalt eingefroren wird.“ Zum Hintergrund: Einige Mitglieder des Kaders wollten die Deutsche Meisterschaft nutzen, um Punkte für die Olympiaqualifikation zu sammeln. Die SKTWK jedoch, in deren Rahmen die Meisterschaft stattfinden sollte, war für August geplant und lag damit außerhalb des Quali-Zeitraums. Es wurde also eine Neuterminierung in den April angefragt. Dies wäre organisatorisch jedoch schwierig gewesen und hätte obendrein ein Risiko bedeutet, ob die Veranstaltung wegen der Wetterlage überhaupt durchführbar wäre. Ein wenig viel Aufwand eine komplette Deutsche Meisterschaft zu verlegen, nur aus dem Grund, weil zwei, drei Einzelpersonen noch ein paar Punkte brauchen.

"Skateboarding ist keine Leistungssportart, wir bringen aber Leistung. Denny Pham oder Justin Sommer fahren auf hohem Niveau. Aber derselbe Justin Sommer feiert vorher eine Party, kommt mit etwas viel Restalkohol ins Finale und wird trotzdem Erster. Das sind für die alles fremde Welten. Das kennen die nicht, das wollen die nicht. - Hans-Jürgen Kuhn"

Cola sieht die ganze Lage deshalb auch etwas anders. „Der Präsident hat am Ende beansprucht, dass er alle Entscheidungen überprüft und auch zur Not selbst treffen will und darüber ist der Streit entbrannt. Nach der Satzung des DRIV haben wir als Kommission die Entscheidungsbefugnis über Sachen wie Deutsche Meisterschaften oder wie wir Judges und Trainer ausbilden. Das hat dem DRIV aber alles nicht gefallen. Das ganze Konzept von SKTWK, wie wir Deutsche Meisterschaften verstehen, dass das nicht reine sportliche Veranstaltungen sind, sondern immer auch Events, das fanden die alles nicht gut. Die finden natürlich auch diese ganze Sportart irgendwie ein bisschen strange. Der Präsident hat uns zuletzt vorgeworfen, unsere Meisterschaften seien gar keine wirklichen Meisterschaften, da wären ja letztes Jahr im Finale die Hälfte der Street Jungs besoffen rumgefahren. Das ganze Thema Alkohol und Kiffen finden die auch total strange und finden, dass wir gar nicht richtig leistungssportlich sind. In einem gewissen Punkt haben sie damit ja auch Recht. Skateboarding ist keine Leistungssportart, wir bringen aber Leistung. Denny Pham oder Justin Sommer fahren auf hohem Niveau. Aber derselbe Justin Sommer feiert vorher eine Party, kommt mit etwas viel Restalkohol ins Finale und wird trotzdem Erster. Das sind für die alles fremde Welten. Das kennen die nicht, das wollen die nicht und werfen uns vor, wir würden nicht so richtig olympischen Geist verbreiten. Da haben sie auch Recht, weil wir mit dem olympischen Geist auch nicht viel am Hut haben. Wir passen nicht wirklich zueinander, das muss man einfach mal sagen. Wir sind zwangsfusioniert werden und mussten da rein, sonst hätten unsere Leute überhaupt keine Chancen bei World Skate Contests starten zu dürfen. Justin hat das mal ein Jahr gemacht, dann hatte er die Schnauze voll und fährt lieber zu Tampa Am. Und im letzten Jahr hat sich der Konflikt zugespitzt und die wollten uns Vorschriften machen, wie wir das in ihrem Sinne besser zu machen haben. Ich hab dann dazu Interviews gegeben. Das fanden sie ganz fürchterlich. Auch weil ich gesagt habe, dass wir von Olympia bisher nicht viel hatten. Es werden weder Skateparks gebaut, noch die breite Maße unterstützt. In das Team fließt eine halbe Million pro Jahr und der Rest der Szene hat davon gar nichts. Wenn man das sagt, dann ist das Nestbeschmutzung und wir sollten doch dankbar sein, dass der Staat uns so gut unterstützt. Und diese Sachkonflikte haben dann irgendwann eine persönliche Ebene bekommen, weil ich mich dagegen gewehrt habe, dass dieser Präsident ständig in die Sportkommission reinredet.“

Wer ist Skater?

Es hat nicht viel Phantasie gebraucht um vorauszusehen, dass es beim Versuch Verbandsstrukturen von außen in Skateboarding hinein zu tragen, zum „Clash of Cultures“ kommen würde und das hat sich Deutschland zur persönlichen Fehde ausgewachsen (Reifenberg etwa überlegt eine Verleumdungsklage gegen Cola). Cola wurde bereits im Februar rausgeworfen, zog daraufhin vor das Verbandsgericht und durfte bis Juni weiter im Amt bleiben (Er interpretiert das so, dass er Recht bekommen hat, Reifenberg meint dagegen, bis zur Urteilsfindung wurde die Entscheidung lediglich ausgesetzt. Wir haben nicht tiefer nachgeforscht.). Schlussendlich wurde die ganze Sportkommission einfach aufgelöst. Alle rausgekegelt und fertig. Eine ziemlich drastische Maßnahme, vor allem wenn man bedenkt, dass 11 von 15 Landesverbänden hinter Cola standen (Reifenberg bestätigt dies, fügt aber an, dass diese 11 Landesverbände nur 49% der Mitglieder versammeln würden. Es war uns auch zu müßig, diese Zahl nachzuprüfen. Man merkt an den ganzen Klammeranmerkungen, wie verfahren die Lage ist). Das Ende vom Lied ist jedenfalls, dass nun Stephan Reifenberg und Sebastian Barabas als Leistungsreferent Skateboarding die Kommission Olympischer Leistungssport bilden und die Aufgaben der aufgelösten Kommission übernehmen.

"Muss man wirklich Szene Skateboarder sein, um einen Förderantrag abzugeben oder hilft es eher, dass man Erfahrung in der Sportorganisation hat, wo man weiß wie man eine Excel Datei ausfüllt um 500.000 Euro Fördergelder zu bekommen? - Stephan Reifenberg"

Beide haben nicht wirklich Skateboard Background. Reifenberg findet dies auch nicht so wichtig: „Es stellt sich die Frage, wer ist Skateboarder und wer nicht? Ich finde das auch ein bisschen Müßig, das zu diskutieren und auch ein bisschen am Thema vorbei. Wir sind ein Sportverband mit acht Sportarten und haben einen Sportdirektor. Es geht ja auch nicht darum, dass Sebastian und ich in Skateboarding rumfummeln, wir haben dafür unsere Bundestrainer Lea [Schairer] und Jürgen [Horrwarth]. Die machen das Sportliche. Das Organisatorische läuft bei Sebastian und mir und ich denke, dafür muss man kein Szene-Skateboarder sein. Da bringt es eher was, dass man Erfahrung in der Sportorganisation hat und weiß, wie man mit dem Bundesinnenministerium spricht. Weil am Ende steht ein Medaillengewinn. Das ist das Ziel und dafür bekommen wir Geld. Ich bin in den 80ern gefahren, hab dann in Baseball auch Leistungssport betrieben und fahre jetzt seit fünf Jahren Longboard. Skateboarder stellen sich immer so dar als wären sie so liberal und jeder darf sich so ausleben wie er will und ich bin jetzt plötzlich kein Skateboarder, weil ich eben nicht zur Szene gehöre. Sebastian ist aktiver Skateboarder und hat an kleineren Contests teilgenommen, ist aber auch kein Szene Skateboarder. Es ist aber auch die Frage, muss man wirklich Szene Skateboarder sein, um einen Förderantrag abzugeben oder hilft es eher, dass man Erfahrung in der Sportorganisation hat, wo man weiß wie man eine Excel Datei ausfüllt um 500.000 Euro Fördergelder zu bekommen?“ Um diese Frage aus unserer Sicht zu beantworten: Ja, wenn man mit Skateboarding zu tun hat, dann ist die grundlegendste, wichtigste und möglicherweise einzige wichtige Kompetenz, dass man Skateboard Background hat. Punkt. Lea und Jürgen besitzen diese Kompetenz und damit wir uns nicht missverstehen: Skateboarding ist jetzt bei den Olympischen Spielen. Zumindest ein Mal. Das lässt sich nicht mehr ändern. Was sich jedoch beeinflussen lässt ist, dass man eben Skater/innen, die wissen was sie tun und in erster Linie Skateboarding im Blick haben – wie Lea und Jürgen – an die entscheidenden Positionen setzt, um alles in die bestmögliche Richtung zu lenken und den Einfluss von szenefremden Personen minimiert, wo es nur geht. Wir freuen uns auch für jedes Mitglied im Olympiateam, die dadurch die Möglichkeit bekommen auf Trips zu gehen und finanziell unterstützt zu werden, aber wir fragen uns: Braucht es dieses ganze Trara außen herum wirklich? Braucht es solch einen Verband samt Landesverbänden oder ließe sich das auch anders regeln?

Im Endeffekt ist es momentan schließlich so, dass sich der DRIV lediglich um die Kaderathleten kümmert, zwölf an der Zahl. Der komplette Fokus liegt darauf, das Olympiateam vorzubereiten. Reifenberg relativiert die Rolle des Verbandes deshalb auch und beruft sich darauf, dass man auch nur diese Funktion ausfüllen möchte. Eine Repräsentation der deutschen Skateboard Szene als Ganzes würden sie für sich gar nicht in Anspruch nehmen. Das kann man ihm durchaus glauben, so einfach ist das aber leider nicht. Ist man der offizielle Verband, der Skateboarding in Deutschland vertritt, dann wird man automatisch zum Ansprechpartner für szenefremde Personen oder Institutionen. Ein Beispiel. Wären wir ein großes Unternehmen, das Sponsoring im Bogenschießen plant oder eine Kommune, in der ein Bogenschießerpark (oder wie das auch immer heißt) gebaut werden soll – an wen würden wir uns wohl wenden? An den Deutschen Bogensport-Verband möglicherweise? Ähnlich ist es mit Skateboarding und es wäre schön, wenn dann da jemand sitzt, der Ahnung von der Materie hat. Wir haben in der Vergangenheit schon genug Concrete Rudolph Skateparks gesehen.

Spitze vs Breite?

Und da sind wir schon beim nächsten Thema. Der Verband bekommt tatsächlich ausschließlich Fördermittel – die bereits genannte halbe Million pro Jahr – um das Team auf die Olympischen Spiele hinzuführen. Die Szene sieht davon nichts. Das ist nicht der Fehler des Verbandes, das ist einfach eine Tatsache. Zweckgebundene Förderung nennt sich das und bedeutet, wer gehofft hat, dass durch Olympia ein Skatepark-Segen über das Land kommt, hat sich getäuscht. „Wir sind eine vorläufige Olympische Sportart. Erst im Dezember, wenn das IOC darüber abstimmt, wissen wir ob wir auch in Paris dabei sind. Entsprechend zurückhaltend ist auch der Geldgeber, das BMI. Ein Skatepark kostet, ich sag mal, zwei Millionen Euro und das ist ein Haushaltsposten den niemand bereit ist auszugeben, nur dass jemand einmal im Olympiazyklus drin ist und danach wieder verschwindet“, dämpft Reifenberg deshalb die Erwartungshaltung. Eine Förderung für die breite Masse (pun intended) ist nicht angedacht. Diese kann möglicherweise kommen, wenn Skateboarding als dauerhafte Olympiasportart aufgenommen wird, aber bis dahin ist noch ein bisschen viel Konjunktiv. Und so lange das nicht passiert, haben wir die Situation, dass ein Verband, der nichts mit Skateboarding zu tun hat, Fördergelder für lediglich eine Handvoll Skater/innen bezieht, um sie auf eine Veranstaltung vorzubereiten, die große Teile der Szene ablehnen. Das alles spaltet mehr, als dass es eint. Gab es früher schon die „Contest-Skater“ und die „Core-Skater“ so wird der Graben nun immer tiefer. Cola und die geschasste Kommission erwägen sogar ihre eigene Organisation zu gründen (die Rechte an der Webseite Skateboarddeutschland besitzen sie ebenfalls noch und verweigern diese an den DRIV rauszurücken). Die würde zwar nicht vom Olympischen Komitee (IOC) anerkannt werden und könnte keine offizielle Deutsche Meisterschaft ausrichten (eine nicht offizielle kann übrigens jeder ausrichten, der Titel ist nicht geschützt), aber sie könnten sich weiterhin um die Belange von Skateboarding kümmern. D.h. wir hätten dann zwei rivalisierende Verbände und mehrere (offizielle wie inoffizielle) Deutsche Meisterschaften, obwohl es am besten überhaupt gar keinen Verband gäbe. Der ist ja tatsächlich ausschließlich für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen nötig und wie bereits erwähnt und von beiden Seiten betont (darin herrscht Einigkeit), auf den gewöhnlichen Skater, hat ein Verband und all das momentane Tauziehen kaum Auswirkungen. Egal wie es ausgeht.

Die einzigen Betroffenen sind diejenigen, die gerne auf Contests ein bisschen Geld verdienen, aber währenddessen ebenso gerne Drogen nehmen. Denn alle offiziellen Contests die unter dem Dach von World Skate ausgetragen werden, sind mittlerweile durch NADA bzw. WADA mit Dopingtests (bzw. Drogentests) überwacht. Reifenberg versteht das als geringere Einschränkung im Vergleich zu vorher, wo die großen Contests oft von Sponsoren ausgerichtet wurden, die nur bestimmte Skater eingeladen haben, während nun schlicht Leistung zählt. Also, saubere Leistung. Beides ist sicherlich Selektion. Vorher wurde dabei aber nicht der Lebensstil der Szene – ohne diesen jetzt zu bewerten – verändert. In Deutschland ist das glücklicherweise nur für die offizielle Deutsche Meisterschaft der Fall. Letztes Jahr hat diese ganze Kasperei am Finaltag schon die Stimmung vermiest, obwohl da das SK noch am Ruder war, welche die Dopingtests ebenfalls ablehnte (Unsere Sicht der Dinge zu dem Thema, lässt sich hier nochmal nachlesen).

"Ein endgültiges Auseinandergleiten der Community in ‚eine Hand voll Leistungssportler, die das ganze breite Medien-Interesse ernten‘ und ‚den Rest’ halten wir für ein weniger geiles Szenario, in dem niemand gewinnt. - Norbert Szombati"

SKTWK

Wie wird es jetzt mit der SKTWK weitergehen, wenn der DRIV Ausrichter ist? Wir haben dazu Norbert Szombati von Finelines gefragt, die sich die SKTWK für die SK ausgedacht haben.

„Wie der Streit zwischen SK und Verband jetzt ausgegangen ist, finde ich sehr schade, da es meiner Meinung nach nur Verlierer und keine Gewinner gibt. Zur SK muss ich persönlich sagen, dass auch wenn für die meisten von uns Skatern (wie auch für mich persönlich) sport-typische Vereinsstrukturen und Regeln völlig befremdlich sind, der allergrößte Teil der SK immer noch aus tatsächlichen Skatern bestand, die das Herz auf am richtigen Fleck haben und mit denen man am Ende des Tages doch ein und dieselbe Sprache spricht. Sie haben auf demokratische Weise versucht eine Brücke zu schlagen, und da die beiden Ufer ziemlich weit voneinander entfernt liegen, war das definitiv kein einfacher Job. Da die SK für 2018 die Rechte für die Offiziellen Deutschen Skateboard Meisterschaften erstmals öffentlich ausgeschrieben hat, haben wir uns damals mit dem SKTWK Konzept darum beworben. Wir wollten eine Plattform in Form eines offenen Festivals schaffen, das verschiedensten Facetten von Skateboarding die Möglichkeit bietet sich zu präsentieren – divers aber auch selektiv, da für ‚Alles‘ schlichtweg nicht genug Zeit oder Platz auf einmal da ist. Ein jährlicher Treffpunkt mit dem sich primär die Community aus Deutschland (hierzu gehören nicht nur Skater, sondern auch Magazine, Filmer, Fotografen, Künstler, Homies und so weiter) als Gemeinschaft identifizieren und zusammenkommen kann und gleichzeitig international niemanden ausschließt. Dabei ist uns wichtig, dass die Plattform möglichst neutral bleibt und somit jedem Teilnehmer und Zuschauer die Möglichkeit bietet, sich genau die Aspekte von Skateboarding auszusuchen, die ihn persönlich am meisten ansprechen. So kann unserer Meinung nach die Community als Ganzes gut funktionieren, ohne dass alle zwingend gleicher Meinung sein müssen. Der offizielle Teil der SKTWK eröffnet uns die Möglichkeit intensiver mit deutschen Städten und Gemeinden zusammen zu arbeiten. Vieles was wir in den letzten zwei Jahren SKTWK gemacht haben, wäre ohne diese Zusammenarbeit nicht oder nur sehr viel schwerer möglich gewesen. Ein endgültiges Auseinandergleiten der Community in ‚eine Hand voll Leistungssportler, die das ganze breite Medien-Interesse ernten‘ und ‚den Rest’ halten wir für ein weniger geiles Szenario, in dem niemand gewinnt. Ganz zu schweigen davon, dass es der tatsächlichen Realität im Skateboarding absolut nicht gerecht werden würde. Wir haben mit dem DRIV einen Vertrag für die SKTWK inkl. DM in Köln bis inkl. 2021 und sind der Meinung, dass eine weitere gemeinsame Lösung nur im Sinne von Skateboarding sein kann. Wir sind weiterhin in Kontakt mit der ehemaligen SK als auch mit dem DRIV und denken zusammen über Möglichkeiten nach. Fix in Stein gemeißelt ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nichts, was vor allem an derzeit noch sehr dynamischen Corona Situation liegt. 2020 mussten wir absagen, für 2021 hoffen wir mit grünem Licht und doppelter Energie durchstarten zu können.“

Und nun?

Norbert hat es eigentlich auf den Punkt gebracht. Skateboarder freuen sich nicht über Vereinsstrukturen, aber im SK haben sich wenigstens Skateboarder um die Belange von Skateboarding gekümmert. Nun ist das nicht mehr so, das ist bedauerlich und sollte sich schnellstmöglich wieder ändern. Nicht nur damit die SKTWK mit ihrem Spirit erhalten bleibt, sondern auch, dass bei der Förderung das Augenmerk weiterhin auf die ganze Szene gerichtet ist. Ja, wir wissen: zweckgebundene Förderung. Aber auch ein Papst ist in Rente gegangen, obwohl man Jahrhunderte lang dachte, das geht nicht. Wie wir die NADA und WADA wieder aus Skateboarding rausbekommen bzw. wie man es schaffen kann, World Skate bzw. alle Verbandsstrukturen wieder aus Skateboarding zu entfernen, das sind andere Themen. Vielleicht haben wir ja Glück und die Olympischen Spiele in Tokyo werden doch noch abgesagt und Skateboarding fällt wieder raus, bevor es je richtig dabei war. Bis dahin sollten wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen und Skateboarding in den entscheidenden Stellen in die Hände derer legen, die Skateboarding leben.

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