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Fabian Lang Interview – Wertvolle Pause

7. Januar 2017

Select Language: Englisch

Fabi Lang hat seine Motivation wiedergefunden. Das klingt deshalb komisch, weil man sich nicht vorstellen kann, dass Fabi einen Hänger hatte. Ist aber passiert. Hätte man ihn vor einem Jahr gefragt, wie lang er noch auf dem Brett steht, er hätte so um die fünf Jahre geschätzt. Doch jetzt hat er sein Skateboard wieder lieb und der Dank gilt zwei Freunden, die mit Erscheinen dieser Ausgabe im Kreise der SHRN Crew die Premiere vom Münchner Indy Streifen Let’s Get It feiern.

[Fotos: Conny Mirbach, Florian Hopfensperger, Leo Preisinger | Interview: Robinson Kuhlmann]

fabilang_portraitPortrait | Photo: Conny Mirbach

Fabian, was muss ich hier lesen?! Du wolltest dich zurückziehen, erlebst aber gerade deinen zweiten Skateboard-Frühling? Das wusste ich ja gar nicht!
[lacht] Ganz ehrlich, ja. Ich hab halt verdammt viele gute Jahre gehabt, bis ich 23 oder 24 war, aber habe mir dann auf der Mission Tour den Fuß gebrochen und rückblickend würde ich sagen, dass das der Höhepunkt meiner Karriere war. Bis dahin lief’s gut und ich konnte skaten, als würde ich Playstation spielen – zumindest in meinem Kopf. Aber dann hat mich das mit dem Fuß so rausgehauen, dass ich fast zwei Jahre sehr wenig geskatet bin.

Ist da auch was in deinem Kopf passiert durch die Verletzung?
Das nicht unbedingt. Aber davor bin ich immer Skateboard gefahren und durch die Verletzung, den Winter und den Beginn des Studiums bin ich nicht mehr richtig reingekommen und hatte einen kleinen Hänger. Als ich nach München gezogen bin, dachte ich, alles wird geil, aber wenn man selten skatet, geht nicht nur die Routine flöten. Wenn ich geslammt bin, war ich erst mal wieder zwei Wochen raus und dann beißt sich die Katze in den Schwanz. Als ich dann Anfang des Jahres auf dem Hellride umgeknickt bin, dachte ich: „Fuck! Was geht ab? Wo soll’s bei mir noch hingehen, wenn das die ganze Zeit so weiterläuft?“

Heißt das, du brauchst das regelmäßige „Training“? Es gibt ja so Typen wie den Alex Löhr, wo man denkt, völlig egal wie lang die nicht auf dem Board standen, es ist in der Zwischenzeit nichts passiert.
Für andere sah es vielleicht so aus, als sei alles cool, aber für mich hat sich das nicht so angefühlt. Vielleicht sehe ich das auch zu eng und blockiere mich mit meinem Ehrgeiz. Auf jeden Fall bin ich aus dieser Mentalität nicht rausgekommen, bis Marlon [Lange] sich die Kamera geholt hat und mit dem Video begonnen hat.

“Mit Paul und Marlon wieder regelmäßig rauszugehen hat mich motiviert”

Ich hab eher selten gehört, dass jemand die Motivation wiederfindet, weil er gerade ein Video filmt. Die meisten Skater hassen das doch …
Das Video selbst war nicht die Motivation. Ich glaube, es lag eher an dem Vibe mit Marlon und Paul [Zenner], die einfach Bock hatten Street zu skaten. Ich bin in den zwei Jahren davor meistens nur im Park gewesen, außer ich war mal zwischendurch ein Foto schießen. Aber das hat sich nie so richtig geil angefühlt. Mit Paul und Marlon wieder regelmäßig rauszugehen, aktiv zu sein – dieses „unbeschwerte Skaten“ –, zum Spot zu fahren und da passiert was oder nicht, aber der Vibe stimmt einfach. Das hat mich motiviert. Dass Marlon sich die Kamera gekauft hatte, war dann ein zusätzlicher Nebeneffekt.

Es gibt ja Leute, die gehen nur Street skaten, um einen Trick zu filmen, und es gibt Leute wie Mark Achmüller früher, der zum Spot gegangen ist, um zu skaten und abzuhängen. Allerdings weiß ich auch, dass er Probleme mit der Motivation hatte. Vielleicht lag es daran, dass da nur zwei, drei andere Leute waren. Wie siehst du denn München als Skateboard-Stadt heute?
Ich glaube, ich habe durch dieses Jahr München und Streetskaten neu entdeckt. Mein letzter Part ist fünf Jahre her und immer wenn ich so ein Projekt abgeschlossen hatte, dachte ich mir: „Fuck, was willste denn jetzt nächstes Jahr noch machen? Du bist wieder alle Spots durchgegangen und hast all deine Tricks gemacht.“ Aber da ich jetzt mit so einem großen Abstand wieder zum Streetskaten gekommen bin und Skateboarding sich in der Zwischenzeit verändert hat, habe ich auch bei mir neue Möglichkeiten entdeckt.

Ich finde es ja faszinierend, dass nun Spots mehr in den Fokus rücken, wo man sich früher dachte: „Joah … wäre vielleicht ganz nett …“ Aber irgendwie wusste man doch nicht, was man da machen soll. Wie stehst du allgemein dem Trend gegenüber … Ich weiß nicht, wie man das am besten nennt … kreatives Skaten? Low-Impact Skaten? [Spaß und Flow über den (technischen) Schwierigkeitsgrad stellen?; Anm. d. Red.] Ich mein, du bist ein technischer Skateboardfahrer und es ging im Skaten viel um Progression. Wie siehst du den Gegentrend? Inspiriert dich das, neue Tricks zu üben?
Ich seh mich da irgendwo dazwischen. Manchmal ist mir der Trend mit den vielen Slappies und Wallrides und die Hosen noch mal ein Stück höher ziehen too much und zu viel Anti-Establishment. Gleichzeitig kann ich aber auch nicht sagen, dass es mich nicht inspiriert, weil ich zum Beispiel Slappies auch als spaßige Sache für mich entdeckt habe. So wertet ein simpler Randstein dann einen Spot manchmal auf, den man vorher uninteressant fand, und inspiriert einen zu einer Line.

fabilang_smithgrindSmithgrind | Photo: Conny Mirbach

Eine andere Sache, über die ich nachgedacht habe, ist, dass Skater, die in der Großstadt aufwachsen, teilweise nicht so motiviert scheinen, um Skateboarding in ihrem Leben, aber auch an sich zu pushen, und dass eher die Kids von außerhalb, die den Weg in die Stadt auf sich nehmen, am Ende diejenigen sind, die Sponsoren bekommen und die Szene zum Beispiel mit Videos pushen.
Ich glaube, du meinst diesen Dorf-Skater-Effekt, wie ich es nennen würde, und ich glaube auch, dass da was dran ist. Ich glaub, die talentierten Typen vom Dorf haben schneller Erfolgserlebnisse, weil sie schnell zu den Besten gehören. Das treibt einen schon an, auch wenn man das nicht unbedingt hören will. Es geht ja am Anfang viel darum, neue Tricks zu lernen, und vielleicht ist die Ablenkung auf dem Dorf auch kleiner. Wenn man dann aus diesem Mikrokosmos ausbricht und in der Stadt sieht, was es noch alles gibt, überträgt man dieselbe Einstellung, den Wunsch weiter zu kommen, auf die Stadt. Und dann hat man noch die ganzen Möglichkeiten mit Fotografen und Filmern, die die Kids aus der Stadt schon als selbstverständlich ansehen, und man macht eventuell deutlich mehr daraus.

Wo siehst du deine berufliche Zukunft?
Was die nächsten fünf bis zehn Jahre angeht, schon relativ stark in der Skateboardwelt, weil ich da sehr tief drin stecke. Außerdem haben mich viele Leute gepusht, indem sie mit mir auf Contests gefahren sind oder mich in andere Städte bis nach New York gebracht haben. Das sind Erfahrungen, die ich gerne weitergeben würde. Außerdem habe ich auch Höhen und Tiefen erlebt und ich finde es so schade, wie Firmen teilweise ihr Potenzial verschenken, um dann wieder in ein Loch zu fallen. Viele Companies verfolgen rein operative Ziele und die meisten sind noch nicht mal klar definiert. Da heißt es dann: „Wir müssen unser Image steigern, deswegen bringen wir ein Video raus.“ Das ist ja schön, aber wer misst das und sagt dann, dass man erfolgreich war? Da wird dann zwei, drei Jahre Kohle in ein Projekt oder Team geballert und danach herrscht dann wieder absolute Dürre im Budget der Fahrer. Die Intention jeder Company ist es doch, am Markt langfristig bestehen zu können und zu wachsen. Dann müsste man aber auch mal strategischer denken und sicherstellen, dass es nach Fertigstellung des ersten Projekts auch weitergeht. Wer es schafft, einen konstanten (Werbe-)Druck auszuüben, wird auch relevant bleiben.

“Es ist schade wie Firmen teilweise ihr Potenzial verschenken”

Es gibt ja viele europäische Companies, die sich sehr gut positioniert haben, während deutsche Brands einen schwierigen Ruf haben. Wie müsste denn eine deutsche Boardfirma ausschauen, damit sie international Erfolg haben könnte?
Wahrscheinlich dürfte sie nicht aus Deutschland kommen. Ich glaube, es ist ein generelles Problem, dass die deutsche Szene schon immer zu gefestigt war, als das sie sich Richtung Europa orientieren wollte und bereit war Risiken einzugehen. Wenn du es hier geschafft hast, hieß das, dass man schon mal ein paar Euro mit Skaten verdient hat und auf vielen Reisen war und dann war man „cool“ und das reicht dann gefühlt. Um den nächsten Schritt zu schaffen, müsste man viel mehr investieren und auch ein Risiko eingehen und da denken sich dann viele Deutsche in ihrer spießigen Weitsichtigkeit, dass sie dann doch lieber studieren gehen. Das liegt wahrscheinlich an unserem Wohlstand und den beruflichen Perspektiven, die man selbst als Skater in Deutschland hat, während Skater in Frankreich oder Spanien, wo es eine Jugendarbeitslosigkeit von 50% gibt, gar nicht so viel zu verlieren haben, wenn sie sich ohne Plan B nur um Skateboarding kümmern. Und das sind, abgesehen von Skandinavien, die beiden Länder, wo meiner Meinung nach die meisten Talente herkommen.

Thema Medien. Klassische Formate scheinen nicht mehr zu funktionieren. Thrasher gibt es zwar noch, aber auch dort hat sich das Format geändert, dadurch dass erst mal alles online gespielt wird und dann wird irgendwann ein Heft eher nachgereicht. Wie siehst du die Veränderung in unserer Medienwelt [in der Fabian mittlerweile nicht nur als Skater eine Rolle spielt]?
Vielleicht ist die hiesige Medienwelt auch ein Stück weit daran Schuld, dass die Skater hier zu schnell alles erreicht haben. Früher war bei der Monster oder der Limited immer der beste Trick des Monats auf dem Cover und den hat man sich dann ehrfürchtig angeschaut. Oder der Typ, der das Interview hatte, hatte dann auch das Cover und das war natürlich ein Anreiz. Nur ein paar Seiten gingen um künstlerische Aspekte, das hat sich geändert. Es geht nicht mehr nur ums Skaten. Ich glaube, das schmälert den Anreiz für die Kids, Gas zu geben.

fabilang_ollie_5050 Ollie 50-50 | Photo: Conny Mirbach

Ich seh das genauso, dass den Kids dieser Anreiz fehlt, aber andererseits ballern sie auch viel auf Instagram raus und halten nicht alles zurück, bis das Heft da ist.
Ich glaube aber nicht, dass die Kids ihren besten Trick rausballern würden, wenn sie den Anreiz in Form eines Interviews oder des Covers hätten.

Manchmal hat man es aber auch nicht in der eigenen Hand. Der Ledermann macht seinen Backside Bigspin die 13er und da sind 50 Leute. Ich hab das Ding aus allen möglichen Perspektiven gesehen, weil auch diejenigen, denen man gesagt hat es nicht zu posten, es ihren Homies geschickt haben. Die Landschaft hat sich also verändert und es ist schwieriger für ein Magazin die Kontrolle zu behalten. Deswegen die Frage, ob ein Print-Magazin als Form überhaupt noch up to date ist?
Ein Magazin wird immer existieren, sofern man es richtig macht. Ich glaube, gerade in dieser Zeit, wo alle Magazine in eine Lifestyle-Richtung rutschen, wäre der Markt in Deutschland für ein Magazin da, das eher so wie Thrasher ist. Da kommen halt die krassen Tricks rein und die krassen Tricks aufs Cover. Ich glaube, dass auch die Kids, die nur Slappies, Wallies, No Complies oder Ollies machen, Bock darauf hätten. Und ich glaube, dass die Monster heute immer noch funktionieren würde. Die Thrasher ist sich in Amerika als einziges Magazin treu geblieben, und deswegen sind sie auch erfolgreich, und hat berechtigter Weise eine Monopolstellung. Nicht weil sie als einzige alles richtig gemacht haben, sondern weil viele Magazine es echt scheiße gemacht haben.

Hast du auf europäischer Ebene ein Lieblingsmagazin?
Eigentlich nicht – aber ich muss sagen, auch wenn ich die Free layouttechnisch richtig scheiße finde, dass da einfach gute Skatefotos drin sind. Da ist ein geiler Tourartikel drin und ein starkes Interview mit guten Skatefotos und mehr brauch ich auch nicht. Ich brauche kein artsy Magazin. Man muss sich nicht viele Gedanken machen. Ich will einfach gute Skatefotos sehen.

“Vielleicht ist die Medienwelt auch ein Stück weit daran Schuld, dass die Skater hier zu schnell alles erreicht haben”

Du bist mittlerweile selbst in den Medien tätig, was machst du gerade?
Ich bin in die Redakteursecke gerutscht, dadurch dass ich gerade für Red Bull den Skateboardkanal mit Inhalt fülle. Also ich kann ganz gut verstehen, wie schwer das eigentlich ist, jeden Monat so etwas zu betreiben und interessant zu gestalten.

Da geht’s aber nur um online, oder?
Bei mir geht’s nur um Online-Content, auch wenn ich damit vielleicht den Printmedien die Leser wegnehme, weil sich irgendwelche Kids vielleicht denken: „Ich les mir das lieber online durch“, oder „ich find’s viel cooler, was bei denen auf der Website steht.“ Aber für mich ist es halt mein Job.

Kannst du dir vorstellen, dass das ein weiterer Weg wäre, um noch andere Dinge zu tun?
Ich glaube nicht. Ich find das, was ich jetzt mache, zwar total geil, aber ich glaub, das wird mir irgendwann zu langweilig. Irgendwann bist du einfach durch damit. Dann hast du alles geschrieben und weißt nicht, was du da noch mehr machen sollst.

fabi_lang_swfifty_munich_burnySwitch 50-50 | Photo: Florian Hopfensperger

Was kotzt dich an Skateboarding so richtig an?
Dass Skaten eigentlich schon lange eine etablierte Sportart sein müsste und nicht erst, seit es heißt: Skateboarding wird olympisch. Ich finde, alle Firmen, egal ob sie viel Budget haben oder nicht, sollten ihre Fahrer viel mehr wertschätzen. Ich hab das Gefühl, dass selbst große Firmen da zu wenig machen, nach dem Motto: „Ja komm, wir sind doch Homies und hier hast du zwei Boards oder drei paar Schuhe und dafür schmeißt du dich überall runter und machst dich kaputt.“ Das ist auch ein Punkt, wo ich mich frage, wofür sich die Kids anstrengen sollen? Für ein bisschen Schein statt Sein, bis man merkt, dass man eigentlich doch nicht wirklich was erreichen kann?

Ich hab mich letztens lange mit Florian Netzer [Kreativer Kopf in München und SHRN Aushilfe; Anm. d. Red.] unterhalten…
Fuck Florian Netzer!

[lacht] … und zwar über das Nerdtum von verschiedenen Personen. Gibt es irgendwas, wo du dich als Nerd fühlst? So wie der Florian zum Beispiel, der sich extrem in Musik versteigt
Ich muss an der Stelle einfach zugeben, dass ich ein krasser Spießer bin. Mein Leben läuft auf einer Schiene. Ich habe jetzt das Skateboard-Ding durchgezogen und auch wenn ich in dem Bereich sicher ein Nerd bin, konzentriere ich mich jetzt hauptsächlich darauf, meine Arbeit gut zu machen und mein deutsches, solides Leben aufzubauen. Deswegen fehlt mir auch die Zeit, mich in irgendwas richtig reinzufuchsen. Ich weiß manchmal gar nicht, wo mir der Kopf steht, weil ich immer so pflichtbewusst bin. Aber auch wenn ich mich in zehn Jahren eher in einem Anzug und Büro sehe, könnte ich mir vorstellen, mich irgendwann mal ins Handwerk zu fuchsen, weil mich das schon immer fasziniert hat. Ich find Werkzeuge und Baustoffe schon immer geil. Sollte ich also irgendwann mal so viel verdienen, dass ich mich frühzeitig pensionieren kann, würde ich die Zeit nutzen alle Sachen zu lernen, auf die ich Bock hätte. Ich würde dann wahrscheinlich eine Schreinerlehre machen und mir eine Werkstatt einrichten. Ich würde viel lesen und vielleicht IT-Kram lernen. Sich einfach Wissen aneignen. Das wäre mein Luxus.

“Alles was ich dieses Jahr gemacht habe war genau mein Ding”

Tanzt du gerne?
Fuck yeah!

Wirklich?
Ja … Ich war tatsächlich, als ich noch was jünger war, in der Tanzschule angemeldet – also nicht nur für einen Kurs, sondern richtig angemeldet.

[Robinson lacht herzlich]
Ich hab auch immer noch Tanzschuhe zu Hause.

Was für Tänze hast du denn gelernt?
Alles mögliche. Die ganzen Standardtänze … Rumba, Walzer. Ich bin natürlich nicht selbst auf die Idee gekommen, sondern hab wegen meiner Freundin mitgemacht. Ich war natürlich erst total skeptisch, aber als ich dann damit angefangen habe, fand ich es total geil.

Kannst du die ganzen Tänze noch?
Fast gar nichts mehr außer Cha-Cha-Cha und ein bisschen Walzer, das hat sich irgendwie krass eingeprägt bei mir.

[Robinson kichert]
Meine Freundin hat das letztens erst wieder aufgebracht und ich würde auch sofort wieder damit anfangen. Ich find das total geil. Ich mein, Tanzen ist im Endeffekt wie Skaten. Je mehr Bewegungsabläufe du einstudierst, desto besser wird’s und desto mehr macht’s dann auch Spaß. Wenn du irgendwann mal gecheckt hast, wie ein Front Crooks geht, dann hast du voll Bock den zu machen. Und wenn du gecheckt hast, wie die Schrittfolge beim Salsa ist, dann findest du das irgendwann auch geil, wenn das so locker kommt, dass du dich da richtig bewegen kannst. Das ist echt super geil.fabi_lang_sw_bssmith_munich_hopfensperger600

Switch Backside Smithgrind | Photo: Florian Hopfensperger

Ok. Du meintest eben, dass du immer mehr rausfindest, was du mal beruflich machen willst, weil du eine Menge Dinge aussortieren konntest [nicht abgedruckt; Anm. d. Red.]. Gilt das auch für dein Skaten und spiegelt dein Part in Let’s Get It das wieder?
Absolut. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal von einem meiner Parts sage, aber ich bin echt 100% zufrieden.

Weil du älter geworden bist oder weil der Part wirklich so gut ist? [lacht über seinen eigenen Witz]
Ja nee, da spielt natürlich auch wieder die Entwicklung, die ich dieses Jahr durchgemacht habe, eine Rolle und dass ich mich wieder wohl auf dem Board fühle. Alles, was ich dieses Jahr gemacht habe, war genau mein Ding. Ich muss nicht irgendwo auf Teufel komm raus noch einen Flip rausmachen. Dafür slide ich den Trick jetzt lieber zwei Meter länger, damit er sich für mich besser anfühlt. Und ich glaube, dass dieses Gefühl in dem Part auch rüberkommt. [Kurze Denkpause, während die Kaffemaschine laut ist] Wenn ich was erzähl, dann kommt mir das immer super langweilig vor.

Überhaupt nicht.
Doch, das ist mein Gefühl. Das ist super schwer zu beschreiben. Viele Leute fragen mich auch, ob ich mich grad gelangweilt habe, wenn ich so dasitze. Und ich sage ja auch selber, dass ich ziemlich spießig bin, was mein Leben angeht. Ich glaube, ich denke krass viel in mich hinein – zu viel. Und bin dann, wenn ich was rüberbringen möchte, irgendwie verkrampft und zögere, anstatt einfach frei raus zu sein. Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum ich nicht so kreativ bin wie andere Skater.

Mir hat mal jemand erzählt, dass alle Menschen irgendwo ihre Spannungen oder ihren Thrill erleben. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sind in einer langjährigen Beziehung, haben einen sicheren Job, sind damit total glücklich und gehen dann Paragliden, um sich einen Kick zu holen. Andere suchen ihr Risiko eher im Job und machen Aktiengeschäfte oder sich selbstständig – also jeder sucht sein Risiko woanders und vielleicht reicht dir das Risiko beim Skateboardfahren in deinem Leben.

Wenn Skateboarding eine Person wäre, was würdest du gerne zu dieser Person sagen?
Ich glaube, ich würde ihr dafür danken, dass Skateboarding nicht rassistisch oder homophob ist und niemanden ausgrenzt.

Ist das so? Ich mein, dass Brian Anderson sich jetzt geoutet hat, ist ja schön und gut, aber die meisten aktiven Skater kennen den wahrscheinlich gar nicht mehr richtig. Warum konnte der sich nicht auf dem Höhepunkt seiner Karriere outen bzw. warum hat sich bis heute niemand geoutet, der auf seinem Höhepunkt ist?
Good Point. Wahrscheinlich ist die Angst dann doch noch immer zu groß, dass die Schuh- oder Boardsales zurückgehen würden und der Vertrag dementsprechend nicht verlängert wird. Ich glaube aber, dass sich die Skateszene da in eine gute Richtung entwickelt und für den Rest der Gesellschaft ein gutes Beispiel ist. Es wird leider immer homophobe oder rassistische Skater geben oder welche die sagen, Frauen haben hier nichts verloren. Wir werden nie 100% tolerant sein, aber wir werden mit der Zeit immer toleranter und ich glaube, das gilt auch für den Rest der Gesellschaft.

fabian-lang-50-50-pop-over50-50 pop over | Photo: Leo Preisinger

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