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Brands – The Straight and Narrow

2012 in Luzern von Flavio Zimmermann, Ramon Hungerbühler, Sébastien el Idrissi und Sid Hussmann gegründet und mittlerweile hauptsächlich in Zürich beheimatet, ist The Straight and Narrow unterwegs, um frischen Wind in die Schweizer Skateboardszene zu bringen und dabei gesetzte Grenzen zu überwinden. Entstanden sind so schon einige bemerkenswerte Kollaborationen. Wir haben die Jungs dazu befragt. Indy
[Interview: Stefan Schwinghammer]
https://www.youtube.com/watch?v=SpYkdbdv0u0&feature=youtu.be
Fangen wir mal am Anfang an: Wie seid ihr drauf gekommen The Straight and Narrow zu gründen?
Flavio: In einem Café in Luzern haben wir darüber diskutiert, dass in der Schweizer Skateszene etwas passieren sollte. Es gab zu dieser Zeit nicht wirklich viele Leute, die coole Sachen machten.
Und was war euer Ansatz? Das Label unterscheidet sich ja schon von herkömmlichen Skateboardbrands.
Flavio: Genau, wir wollen nicht als ein klassisches Skateboard Label auftreten. Wir sehen The Straigth and Narrow mehr als eine Plattform, auf welcher wir mit verschiedenen Personen aus den Bereichen Musik, Kunst, Design, Skateboarding oder Mode zusammenarbeiten können, um verschiedene Projekte zu verwirklichen.
Mit wem habt ihr bis jetzt schon zusammengearbeitet?
Sid: In den letzten fünf Jahren sind da einige Projekte zusammengekommen [Anm. d. Red. siehe Liste unten]. Gerade erst haben wir zum Beispiel ein Projekt mit dem norwegischen Künstlerpaar Matias Faldbakken und Ida Ekblad realisiert. Für mich persönlich bestand eine spezielle Verbindung zu Matias, welcher neben der Kunst auch noch Schriftsteller ist. Ich war immer ein großer Fan von seinen Büchern. Speziell „The Cocka Hola Company“ hat The Straight and Narrow beeinflusst, in der Art wie wir Projekte machen. Auch wir haben nicht wirklich ein greifbares Konzept. Und das finden wir gut so. Umso absurder war es, als wir eine Bestellung von Matias erhielten. Meine Hand zitterte. So ein Zufall, dass genau er, etwas bei uns bestellt. The Straight and Narrow
Und was habt ihr dann mit ihm für eine Zusammenarbeit gemacht?
Sid: Irgendwann habe ich ihm dann eine Email geschrieben und ihm anvertraut, dass ich ein großer Fan seiner Bücher bin. Mich hat es gewundert, wie er auf uns aufmerksam wurde. Er erklärte dann, dass ihm eine gute Freundin, Bea Schlingelhoff, Künstlerin und Dozentin an der ZHdK, von uns erzählt hat. Bea ist auch mit uns befreundet. Es kommt noch hinzu, dass Ramon ein großer Fan von Ida Ekblad ist. Er hat dann mit einem unglaublichen Drive die Zusammenarbeit mit den beiden gepusht. Flavio: Ida hat ein Skateboard entworfen und Matias hat ein Shirt mit der Aufschrift „preSume“ designed – das Supreme Box Logo verschnippselt und neu zusammengefügt. Wir fanden die Idee witzig. Wir wurden schon öfter mit Supreme verglichen, was uns überrascht hat, da wir ja eigentlich einen ganz anderen Ansatz verfolgen. Deshalb war sein Design sehr passend um zu provozieren und die Leute noch mehr zu verunsichern. The Straight and Narrow

Ramon [Photo: Monir Salihi]

Gibt es eure Sachen auch in Deutschland zu kaufen oder läuft das nur online?
Flavio: In Deutschland eigentlich noch nicht, außer über unseren Webshop. In der Schweiz sind wir in einigen Shops vertreten wie Zürich, Basel, Genf usw. im Ganzen etwa 15 Shops. Sid: In Marseille haben wir schon Sachen verkauft. Dann hatten wir den Release in Oslo… Flavio: Der Verkauf stand bis jetzt nicht im Vordergrund. Wir haben eher versucht möglichst viele verschiedene Projekte zu verwirklichen. Wir machen das auch alle nebenbei und da kam der Verkauf bis jetzt etwas kurz.
Also ist es für euch eher eine kreative Plattform?
Sid: Genau. Wir möchten natürlich keine negative Bilanz schreiben. Aber mit The Straight and Narrow Geld zu verdienen war nie unser Hauptziel. The Straight and Narrow
Was wollt ihr mit eurem Brand umsetzen oder darstellen? Was haltet ihr persönlich für wichtig wenn man so etwas auf die Beine stellt?
Sid: Da gibt es verschiedene Aspekte. Wichtig ist vor allem, mit verschiedensten Leuten zusammenarbeiten und Projekte auf die Beine zu stellen von denen dann alle Beteiligten geflashed sind. Flavio: Unsere Grundeinstellung wiederspiegelt sich auf selbstironische Weise in unserem Namen. „Straight and narrow“ bedeutet ja übersetzt etwas wie „kleinkariert, oberflächlich“. Auf den Namen sind wir zufällig gekommen. Als ich drei Monate in London war, versuchte ich einem Freund bei einem Bier zu beschreiben, wie wir Schweizer so sind und da meinte er: „We call that straight and narrow.“ Wir versuchen nicht alles zu engstirnig zu sehen, also „out of the box“ zu denken und bestimmte Klischees zu brechen. Eigentlich das Gegenteil von „straight and narrow“. Man sagt die Schweizer sind etwas konservativ. Aber sind das die Skateboarder manchmal nicht auch? THE STRAIGHT AND NARROW

Sid und Cristina [Photo: Simone Valérie Meier]

Ja, das merken wir beim Magazin machen auch oft, dass man komische Grenzen im Kopf hat. Merkt ihr auch, dass man da gelegentlich an Grenzen stößt, die eigentlich gar nicht existieren und man es auch anders machen könnte, wenn man das nur mal hinterfragt?
Flavio: Uns fällt es vielleicht ein bisschen leichter. Wir bewegen uns in verschiedenen Subkulturen und haben ein Umfeld, in dem es relativ viele kreative Leute gibt. Meine Freundin ist zum Beispiel Modedesignerin. Warum sollte also Fashion und Skateboarding nicht zusammen funktionieren? Wir machen einfach was wir cool finden ohne groß zu überlegen was geht und was nicht geht.
Euer Team ist ja auch nicht wirklich fest definiert oder?
Flavio: Nein, nicht wirklich. Am Anfang haben wir mal Jan Hofer, Dylan Amendra und Gilles Jacot offiziell in unsere Crew aufgenommen, aber mittlerweile ist es eher etwas schwammig. Wir supporten einfach die Leute, von denen wir gut finden was sie machen und die mit uns zusammenarbeiten wollen. Jan und Gilles sind beides Künstler und da ist es einfach cool, wenn beispielsweise einer aus unserer Crew ein Board unter dem Namen The Straight and Narrow rausbringt. Mir persönlich gefällt es nicht so, wenn jemand von Kopf bis Fuß in einer Brand gekleidet ist und so finden wir es auch gut, wenn jemand nicht ausschließlich Produkte von uns trägt. Das macht seinen Style individueller und cooler. The Straight and Narrow

Flavio – Pivot to Fakie [Photo: Dominik Jermann]

Könnt ihr ein bisschen was über das Video sagen, das rauskommt?
Flavio: Das Video ist in Zusammenarbeit mit der Schweizer 80s Dark Wave Band mittageisen entstanden. Wir haben einen zehnminütigen Skate-Clip produziert, der mit Musik und alten Aufnahmen der Band versehen ist. Gefilmt und geschnitten hat es Shqipron Bobaj von Colour Group. Darin zu sehen sind verschiedene Schweizer Skater wie Jan Hofer, Jan Solenthaler, die Aitsch Crew, Color Group und so weiter. Als weiterer Teil dieser Zusammenarbeit hat meine Freundin, Julia Seemann, eine Kollektion designed, welche „mittageisen“ gewidmet ist. Sid: Hinzu kommt, dass wir mit dem zweikommasieben Magazin eine Tribute-Party veranstaltet haben, bei der die Videopremiere war und DJ’s aufgelegt haben, die von 80er Musik inspiriert wurden. Unter anderem auch die Lena Willikens aus Köln. The Straight and Narrow
Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit mittageisen gekommen?
Flavio: Ich habe über die Swiss Wave Bewegung recherchiert und bin auf die Band mittageisen gestoßen. Auf YouTube gab es ein paar Videos mit etwa 100 Klicks. Ich fand die so richtig gut. Da die Band aus Luzern stammt, hab ich ein bisschen rumgefragt und ein Freund sagte, es wären Freunde von ihm. Später sind wir mit dem Frontmann zusammengekommen, wobei rauskam, dass er früher ein Dozent von mir war. Er war fasziniert, dass meine Freundin schon für Vivienne Westwood gearbeitet hat, welche in den 80ern seine große Heldin war. Also schlug er die Kollektion vor und das alles kam ins Rollen.
Stehen aktuell schon neue Projekte an?
Flavio: Ja, zum einen mit dem Schweizer Fotografen Walter Pfeiffer. Der ist unter anderem in den 90er-Jahren mit Arbeiten in Underground-Schwulenmagazinen bekannt geworden. Wir sind dazu gekommen weil Pfeiffer der Dozent von einem Freund von uns war und ihn schon oft fotografiert hat. So sind sie ins Archiv gegangen und haben alte Bilder für Boardgraphics gesucht. Zum anderen arbeiten wir gerade mit dem neuen Schweizer Label „Sports Club“ zusammen. Das sind fünf Jungs mit einem unglaublichen Drive. Sie machen Streetwear mit 2000er Computerstyle Einfluss. Sie haben uns für eine Collabo angefragt und wir sind sofort darauf eingestiegen. Wir finden die Jungs super. Es gibt eh schon wenige motivierte Labels aus der Schweiz. Darum ist es umso wichtiger, miteinander zu kooperieren und gemeinsam neue Projekte zu lancieren. The Straight and Narrow

Neue Ordnung [Photo: Marlen Keller]

Hier eine Übersicht an Leuten, mit denen The Straight and Narrow bereits zusammengearbeitet hat:
Aitsch, Bea Schlingelhoff, Bukowski, Chantal Kaufmann, Colour Group, Dany Petermann, Gilles Jacot, Halbstark, Ida Ekblad, Julia Seemann, Klub Kegelbahn, Lionne Saluz, Lukas Wassmann, Matias Faldbakken, mittageisen, Oscar Suave, September Wheels, Shady and the Vamp, The Collateral, The Underground Youth, Tobias Madison, velvet novel, zweikommasieben
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